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I. Lebende und Todte Richard Wagner

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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sicsjcn deutschen Namen zu geben, lies; er verächtlich in der 
dunklen Ecke liegen, i» die es geworfen war. Er stellte sich 
die Aufgabe und machte den Anspruch, ein wahrhaft 
dichterisches Werk zu schaffen, das seine stolze Selbständig 
keit bewahrt, das wohl der Musik die Mitherrschaft neben 
sich einräumt, jedoch nur unter der Voraussetzung, eine red 
liche, mächtige Bundesgeuvssin in ihr zu finden, das sich 
aber keineswegs neben der glänzenden singenden Schwester 
zur dienstbaren Unterwiirfigkeit Aschenbrödels erniedrigen läßt. 
Welcher Mittel sich Richard Wagner bedient hat, um 
sein Ideal von der Richtigkeit des Ausdrucks im musikalischen 
Drama, der geschwisterlichen Gleichberechtigung von Wort 
und Ton zu verwirklichen, ivie er in seinem unausgesetzten 
Streben auf dieses eine Ziel hin veranlaßt worden ist, das 
Recitativ zu einer vor ihm nicht geahnten Wichtigkeit und 
großartigen Bedeutung zu entwickeln, dem Orchester durch 
die erstaunliche Kunst der Jnstrumentirung eine Mannig 
faltigkeit in der Färbung, eine sinnliche Wirkung von nn- 
tviderstehlichem Zauber zu geben, für die musikalische Charak- 
tcrisirung bestimmter Vorgänge und der handelnden Per 
sonen bestimmte scharf ausgeprägte Merkmale in der Sprache 
der Töne zu bilden, — das zu untersuchen und klar zu 
legen, würde die volle. Sammlung und das mühsame Stu 
dium des Fachmannes erheischen. Von dem Nicht-Musiker, 
der in derselben Stunde, da die erschütternde Kunde von 
dem unerwarteten Dahinscheiden des Meisters zu ihm dringt, 
tief ergriffen von dem Verluste, den die Kunst erlitten, 
seinen Empfindungen einen anspruchslosen Ausdruck giebt, 
tvird mau es nicht verlangen.
        
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