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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Das Urtheil. 
18. November 1883. 
Der Proceß Dickhoff hat nach zehn überlangen und 
an Aufregungen überreichen Sitzungen gestern Abend zu 
vorgerückter Stunde seinen Abschluß damit gefunden, daß 
der Angeklagte für alle Zeiten als gemeingefährliches Wesen 
aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgestoßen und hinter 
Schloß und Riegel des Zuchthauses unschädlich gemacht 
worden ist' Das Ergebniß scheint der öffentlichen Meinung, 
soweit sich dieselbe Ausdruck zu verschaffen vermag, zu ent 
sprechen. Daß man dasselbe indessen nicht auf dem von der 
Erkenntniß und Vernunft klar vorgezeichneten geraden Wege 
hat erreichen können, vielmehr, um zu diesem erstrebten Ziele 
zu gelangen, sich einen künstlichen Pfad hat bahnen müssen, 
wird sich zeigen, wenn wir am Schluß dieser Besprechung 
die Früchte der Untersuchungen und Verhandlungen, die an 
die Geschworenen gerichteten Fragen und deren Beant 
wortung nach der Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden, 
Müller, zusammenstellen und miteinander vergleichen. 
Während der letzten Tage der Verhandlungen hat sich 
die Schlinge immer fester und fester um den Angeklagten 
gezogen. Kein Mensch hat mehr daran zweifeln können, 
daß der unbestrafte Dickhoff einer der gemeinsten und ge 
fährlichsten Verbrecher ist, welche die Hauptstadt in den 
wüsten Schlupfwinkeln der sittlichen Verkommenheit und des 
Lasters birgt. Kein Mensch hat daran zweifeln dürfen, daß 
man ihm die anstiftende, leitende und mitthätige Theilnahme 
an den ihm zur Last gelegten Verbrechen zutrauen könne.
        
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