Path:

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

373 
That ausgeführt werden müsse?" „Jawohl." Abends geht 
Sobbe, wie schon am Tage vorher, in die seiner neuen 
Wohnung gegenüberliegende Bierstube. Er spricht tvieder 
von seinen Militärzeiten, vom Reiten nud zeigt wiederum 
seinen Paß. Der Wirth sieht den Namen Ernst Sobbe 
und nennt ihn nun beständig „Herr Sobbe!" denselben 
Menschen, der sich im Hanse gegenüber unter dem Namen 
Ernst Sander eingemiethct hat, um ein fluchwürdiges Ver 
brechen zn begehen. „Aber," sagt der Vorsitzende, „das war 
doch eine unglaubliche Unüberlegtheit, haben Sie sich denn 
nicht sagen müssen, daß Sie durch Vorzeigung dieses Passes 
den Verbrecher, den man bald suchen sollte, verrathen wür 
den?" „Nein." „Sie haben sich gar nichts dabei gedacht?" 
„Nein." 
Am folgenden Tage, 'dem Sonntag, fährt er wieder 
nach Potsdam und macht die vierte Einzahlung: 30 Mark. 
Zwischen 8 und 9 Uhr kommt er nach Berlin zurück und 
geht wiederum nach der Bierstube in der Adalbertstraße. Er 
spielt geinüthlich Skat und sagt der Kellnerin, daß er mor 
gen nicht kommen könne, daß er aber Dienstag oder Mitt- 
woch wiederkommen werde. Um 11 Uhr geht er nach Hanse, 
Er verbringt eine unruhige Nacht, er schläft fast gar nicht. 
Er hat seine Wirthin gebeten, ihn am andern Morgen uni 
halb Acht zu wecken. Als diese an die Thür klopft, ist er 
schon wach, zur That gerüstet und antwortet aus dem 
Zimmer: „Es ist gut." Zwischen Acht und halb Nenn 
kommt Cossäth. Er klingelt an der Thür; Sobbe ist fertig 
angezogen, den Hammer hat er in der rechten Tasche des 
Ueberrocks. Er öffnet also dem Briefträger die Thür, führt 
ihn in sein Zimmer, schließt die Thür nicht zu, bittet ihn
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.