Path:
II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Kunst und Kritik (Anton von Werner contra Frenzel). Schraders neuestes Gemälde

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

Hervorbringung irgend welcher Art eine Undenkbarkeit, ei» 
Unding ist: daß die vollste Beherrschung des Gebietes, ans 
dem das Kunstwerk hervorgegangen ist, den sachlich voll 
berechtigten Benrtheiler auch unter der Voraussetzung seines 
redlichsten Bestrebens, so gewissenhaft wie nur menschen 
möglich zu sein und jede verwirrende Ncbenrücksicht hintan 
zusetzen, keineswegs zu jener Objcctivität befähigt, die Herr 
v. Werner als etwas Unerläßliches von der Kritik fordert, 
daß vielmehr bei einem jeden Urtheil über ein Kunstwerk 
die Summe von natürlicher Veranlagung und erworbener 
Lehre, die man eben snbjective Kunstauffassnng nennt, sich 
nicht bloß nebenher Geltung verschafft, sondern ivcsentlich 
entscheidend mitwirkt. Es ist also ein sehr starker und ver- 
hängnißvoller Irrthum, wenn Herr v. Werner den Satz des 
„Quidam" vertheidigt: „Gleichzeitiges Lob und gleichzeitiger 
Tadel derselben Sache bildet einen Widerspruch: entweder 
muß das Lob richtig sein, wenn der Tadel falsch ist, oder 
umgekehrt das Lob falsch, wenn der Tadel seine Richtigkeit 
hat." Es läßt sich sogar gerade das Gegentheil behaupten: 
wenn die Kritik aufrichtig und durch Sachkenntnis; befähigt ist, 
so muß über ein jedes bedeutende Kunstwerk das von den 
verschiedenen Kritikern ausgesprochene Urtheil sowohl lobend 
als auch tadelnd ausfallen, je nachdem das beurtheilte Werk 
mit den Kuustaussassungen und dem KnnstgcschMacke dee- 
Kunstrichters übereinstimmt oder nicht. ^ 
Und ist denn die Zeit mit ihrep großen, jeden Ein 
zelnen erfassenden Zügen und Strömungen beim Urtheile 
über Werke von Menschenhand nicht mitbestimmend? Herr 
v. Werner wird doch wohl die Richtigkeit der Behauptung 
nicht anfechten wollen, daß Künstler, die ihrer Zeit von den
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.