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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Kunst und Kritik (Anton von Werner contra Frenzel). Schraders neuestes Gemälde

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Allgemeinen und auch Herr v. Werner insbesondere würden 
schlecht dabei sahren. Unter den Genossen desselben Berufs 
herrscht eine Lieblosigkeit im Ton, wie sie auch nicht an- 
nähernd in den Kritiken aus der Feder der nicht zu dem 
besonderen Berufe Gehörigen zum Ausdruck kommt. Ich 
meine, Herr v. Werner würde allen Grund zn tiefer Ver 
stimmung haben, wenn das, was in Küustlcrkreisen z. B. 
über sein von der Kritik doch im Allgemeinen sehr wohl 
wollend beurtheiltes Congreßbild gesagt worden ist, in einer 
angesehenen Zeitung gedruckt worden wäre. 
Ich stehe keineswegs ans dem Standpunkte jener Kunst 
gelehrten, die den Künstlern das Recht der Beurtheilung ab 
sprechen, weil sic einseitig seien: aber ganz sicher tritt bei 
den Künstlern, gerade weil sie die Eigenschaften besitzen, die 
Werner von der Kunstkritik verlangt, weil sie zu innig mit 
jener Kunst, deren Erzeugnisse sic beurtheilen, selbst ver 
wachsen sind, das Subjective des Urtheils viel schärfer und 
unversöhnlicher hervor, als bei der fernerstehenden Kritik. 
Ich kann mir ganz gut vorstellen, daß ein bedeutender 
Maler die französischen Impressionisten als herausfordernde, 
unverschämte Kleckser bezeichnen dars: ich kann mir eben so 
gut vorstellen, daß ein anderer, ebenso tüchtiger Maler sie 
als Künstler bezeichnen könnte, die zu ernsthaftem Nachden 
ken herausfordern und vielleicht sogar dazu berufen sind, 
der Kunst noch unerschlossene Wege zu öffnen. Dasselbe 
gilt von den Schriftstellern; von gleich tüchtigen und 
urtheilsberechtigten Kritikern könnte Zola, der Führer der 
Naturalisten, in der verschiedensten Weise beurtheilt werden: 
während dieser in Zola einen schriftstellerischen Frevler er 
blickt, welcher die Phantasie seiner Leser mit widerwärtigen
        
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