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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Kunst und Kritik (Anton von Werner contra Frenzel). Schraders neuestes Gemälde

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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gcrt, das; er sich die technischen Hülfsmittel der öffentlichen 
Besprechung nicht zn eigen zn machen verstanden hat, und 
die Wirkung des öffentlichen Wortes nicht recht abzuwägen 
vermag. Der Eindruck, den sein Brief hervorgerufen hat, 
wird ihn, sofern er sich darüber im Klaren ist, vermuthlich 
darüber aufgeklärt haben, das; es ein Anderes ist, in ge 
müthlicher Plauderei mit Berufsgenossen Dies und Das zu 
sagen, in einem harmlosen unverfänglichen Briefe Dies und Das 
zu schreiben, und ein Anderes, dasselbe in einer Zeitung drucken 
zn lassen. Es wäre für ihn wirklich besser gewesen, wenn 
der Brief ungeschrieben geblieben wäre; und ich glaube, er 
hätte dem Vorwurfe „fahrlässigen Stillschweigens", den er 
nicht auf sich laden wollte, mit großer Gelassenheit entgegen 
sehen können. Der Vorwurf des fahrlässigen Sprechens ist 
empfindlicher und kränkender. 
Zu der Bemerkung Karl Frenzels, daß alle ästhetischen 
Urtheile völlig subjeetive sein müssen — ein Satz, den man 
im Jahre 1883 ebenso wenig sollte vertheidigen müssen, wie 
die Ktigelform der Erde — bemerkt Herr v. Werner: 
„Hiernach zu schließen, weiß der Verfasser überhaupt nicht, 
was eilt ästhetisches Urtheil ist; denn er plaidirt einfach für 
den Satz: „Mir gefällt meine Tante, dir gefällt deine 
Tante." — Selbst wenn wir die nicht sehr akademische volks- 
thümliche Erläuterung des Begriffes der Subjeetivität: „Mir 
gefällt meine Tante, dir gefällt deine Tante" gelten lassen 
wollten und den Wunsch nach einer etwas vornehmeren Er 
läuterung völlig unterdrückten, so würden wir doch die 
größte Mühe haben, dem Herrn Direktor der Kunstakademie 
auf das Gebiet der Aesthetik, das er uns erschließt, zu 
folgen. Das wird uns besonders klar, wenn wir in dem
        
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