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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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gemäht und weggeweht, Trümmer und Leichen weisen die 
Spur des unheilvollen Dämons. Selbst der Erlöser am 
Kreuz stürzt in den Abgrund. Auf der Vorderfläche wuchert 
das Unkraut poch auf und bedeckt fast das herabgestürzte 
Säulencapitäl. Die Schwalben stiegen niedrig, Sturm ver 
kündend. Unberührt von all' den grausigen Vorgängen 
thront über dem Ganzen die eherne Maske der Sphinx in 
weltentrückter, überlegener Unbeweglichkeit. 
Sitzend vor den Pyramiden 
Zu der Völker Hochgericht, 
Ueberschwemmung, Krieg und Frieden — 
Und verziehen kein Gesicht. 
Als Motto trägt das Titelbild das trostlose Wort: 
„Doch uns ist gegeben, an keiner Stätte zu ruhen" von 
Hölderlin, dessen dichterische Art so viel verwandte Züge mit 
dem Wesen unseres Künstlers aufweist. 
Das erste Blatt heisst: „In flagranti“. Eine unbestimmte 
Tageszeit. Ist es der Schein der Sonne oder des Mondes, 
der das vornehme, mit prächtiger Ornamentik reich ge 
schmückte Landhaus hell beleuchtet, das in einem herrlichen, 
mit mächtigen Bäumen bestandenen Parke so friedlich und 
freundlich daliegt? Einige Stufen führen zu dem zu ebener 
Erde gelegenen Altan hinauf, der an den beiden Seiten von 
einem Geländer umschlossen ist. Die Eckpfeiler dieses Ge 
länders tragen kostbare, von Schlangen umwundene Urnen. 
Das ist der Ort der Handlung. Jur Vordergründe liegt 
auf diesem Altan ausgestreckt ein männlicher Körper. Wir 
sehen ihn nicht ganz: wir sehen nur die Beine uild die Füße, 
der Oberkörper ist durch den breiten Eckpfeiler mit dem
        
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