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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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in dem Augenblicke dargestellt, da sie ausgehen will. 
Brauche ich zu sagen, daß sie ein schwarzes Atlaskleid mit 
Schmelzbesatz trägt und einen schlvarzen Rembrandt-Fedcr- 
hnt? Der Stoff mit dein eigenthümlichen Fettglanz des 
straffsitzenden Atlas ist übrigens meisterlich gemalt. Den 
einen Handschuh hat die Dame schon angezogen nnd knöpft 
ihn mit der anderen noch nackten Hand zu. Auch der 
Fleischton, die Modellirung dieser Hand sind von größtem 
Reize. Zn den Füßen wedelt erwartungsvoll ein großer 
langhaariger, braungelber Hund. Das Bild macht im 
wahren Sinne des Wortes den Eindruck der bevorzugten 
Gesellschaft. Es ist mit großer Fertigkeit und liebevoller 
Sorgfalt gemalt nnd bis auf's Tipfelchen über dem i durch 
geführt. Es ist schlicht und vornehm in der Farbe und 
gehört ohne Zweifel zu den besten der ausgestellte» Bildnisse. 
Es ist daher auch nicht zn verwundern, daß Kellers Name 
unter den Bewerbern um die große goldene Medaille mit- 
genaunt worden ist. 
Zu den sehr guten Bildnissen gehören ferner das der 
Frau des Malers Gabriel Max, von Jacobides, ein 
männliches Bildnis; von Fritz Wich graf, etwas bräunlich 
im Ton, und die Bilder des Franzosen Francisque Edouard 
Bcrticr, ein hübsches rothhaariges Kind mit breitemge- 
häkeltem Kragen, sehr flott in der Technik. Tie Hände sind 
allerdings zu sehr „gestrichen", es ist kein Fleisch, man sieht 
die technische Herstellung, die Pinselführung. Besonders ist 
noch das Bild eines alten Landpfarrers hervorzuheben. Es 
ist ein schöner durchfurchter Charakterkvpf der an Leubachs 
Lieblinge gemahnt, — ein Mann von durchfurchtem Antlitz, 
der viel erfahren, viel Kummer gesehen hat und nun sinnend
        
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