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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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eine Zeit, die selbst Ereignisse von weltersehütternder Ber 
deutung als gegenwärtige vor ihren Augen sich hat abspielen 
sehen, nicht gerade geeignet ist, die Gemüther der Menge sür 
entscheidende Augenblicke des längst Fertigen und Abgetha 
nen empfänglich zu stimmen. Obwohl man unseren Tagen 
gewiß nicht nachrühmen kann, das; sie reich an glücklichen 
malerischen Augenblicken seien, obgleich unsere ganze moderne 
Kriegführung das eigentlich malerische Element der Schlach 
tenbilder nahezu vernichtet hat — schon die Uniformirung 
der Heeresmassen ist für die bildliche Darstellung und ihre 
rein künstlerische Wirkung eine Schwierigkeit, die kaum zu 
bewältigen — so werden doch sicherlich die bildenden Künst 
ler der Zukunft gerade in unserer jüngsten Zeit bedeutende 
und dankbare Stosse finden. Anton v. Werner hat sich ja 
darin schon mehrfach versucht. Sein Riesenbild: die Ver 
kündigung des deutschen Kaiserthums im Lustschlosse der 
französischen Könige, sodann: der Kaiser, der damalige König 
Wilhelm vor seinem Ansbruch nach Frankreich am Grabe der 
Königin Luise, vor Allen aber sein erstes, das auch sein be 
deutendstes geblieben ist: das Velarium auf der Sieges 
straße, das die Niederwerfung des französischen Lügengeistes 
durch die deutsche Kraft und Tüchtigkeit darstellte — das 
sind stofflich gewiß historische Bilder, so gut wie „Coriolan 
vor den Thoren Roms", wie „Wallenstein in Eger" und 
„der alte Fritz nach Leuthen". Man braucht in den Aus 
zeichnungen über den letzten Krieg gegen Frankreich nur zu 
blättern, überall findet man Skizzen packender Austritte, die 
ganz dazu angethan sind, die Phantasie des Dichters oder 
de§ bildenden Künstlers zu befruchten. Die erste zufällige 
Begegnung des gefangenen Kaisers mit Bismarck auf dem
        
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