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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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der Malerei auszuscheiden sei: denn diese solle nur ein 
ganzes und volles Bild des Lebens im Umfange seiner 
wirklichen Bedingungen geben: aber gegen dieses Recept aus 
dem ästhetischen Kochbuche läßt sich gerade in Bezug aus 
Böcklin mit vollem Rechte geltend machen, was Friedrich 
Bischer über diesen Gegenstand sagt: daß mau eine starke 
Unterscheidung machen müsse zwischen dem Möglichen und 
dem Wirklichen. Wesen, welche zwar nicht als wirkliche ge 
glaubt, nur von der Phantasie erzeugt, aber so geschaffen 
sind, daß sie unter den Gesetzen der Erfahrung leben könnten, 
dürfen nicht zu den mythischen gezählt werden. Die Haupt- 
bedingung eben ist, daß diese sagenhaften Gestalten lebens- 
wahr und glaubwürdig seien. „Das sind dann unmuthige 
Spiele der Kunst, die aber durch die ganze Behandlung 
zeigen müssen, daß ihnen das Wunder nur ein Motiv ist, 
um menschlich Wahres auszusprechen. Das Fabelhafte ist 
also dabei humoristisch in einen bloßen Hebel des natur 
gemäß Schönen verwandelt. Zu gegebenen Fabeln, die 
einst geglaubt waren, mag nun die Phantasie im freien Er 
guß neue ersinnen, wenn nur die Romantik den Boden der 
inneren Wahrheit nicht verläßt". 
Diesen Anforderungen entspricht Arnold Böcklin im 
vollsten Maße. Es ist nicht durchaus nothwendig, daß der 
Maler ein Dichter sei; wenn er aber ein Dichter ist und 
ein so ursprünglicher und echter wie Böcklin, so schadet es 
auch nichts. In diesem Kunstwerke ist etwas Großartiges, 
Kindliches, Unverdorbenes und Grotesk-Humoristisches. Nur 
ein Künstler, der ganz an sich glaubt, kann so Glaubhaftes 
schaffen. Das sind keine krankhaften Phantasiegebilde eines 
überreizten Hirns, es sind im wahrsten Sinne des Wortes
        
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