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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

malt sich das Entsetzen; diese unheimlichen und dach so ver 
lockenden Augen des lieblichen Ungeheuers, in dem kein Tropfen 
warmen Blntetz rinnt, verfolgen uns beständig. Tie Flucht 
dieses Meermädchens, bei dem der Uebergang von den 
menschlichen Formen in den Fischschwanz, von der Haut in 
die in wunderbaren Farben schillernden Schuppen mit einer 
solchen Richtigkeit, wenn man den Ausdruck hier gebrauchen dars, 
wiedergegeben ist, daß die organische Zusammenfügung des 
Zwitterhaften durchaus glaubhaft und das Sagenhafte wahr 
haft erscheint, wird gedeckt von einem kupferrvthen nrge 
mnthlichen Meermanne, den der Schrecken des jungen 
Mädchens auf's äußerste belustigt. Es ist ein ganz köst 
licher fideler Kneipbruder, und die merkwürdige Färbung 
seines Gesichts scheint eher auf eine innige Verwandtschaft 
mit dem Weine als mit dem Wasser hinzudeuten: wahr 
scheinlich ist er aber von der Sonne verbrannt. Schon ist 
er eigentlich nicht. Der fettige, thranige, mit borstigen 
Schuppen bedeckte Leib ist sogar nichts weniger als ver 
führerisch; aber der Ansdruck des Gesichts ist von einer so 
unwiderstehlichen Freundlichkeit, daß man die Freundschaft 
zwischen diesem und den geängstigten Mädchen sehr wohl 
begreift. Er scheint sich übrigens sehr hübsch zu finden: 
denn er hat in seine lichtsarbigen Haare einen ans Seerosen 
gewundenen Kranz geflochten. Hinter dieser Hauptgrnppe, 
die im Mittelpunkt des Gemäldes angebracht ist, schwimmt 
noch ein anderes Ungeheuer, eine Art Kugclfisch; es ist blos 
ein prustender Kopf, gelblich broncesarben, mit hervorquellen 
den Augen. Der Centaur, der diese Gesellschaft vor sich 
sieht, zeigt den Ausdruck des äußersten Erstaunens beim 
Anblick des sich erschrocken flüchtenden Mädchens. Diese
        
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