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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Darstellung der reinen Schönheit, der Schönheit um ihrer 
selbst willen, des Nackten. Während die modernen Franzosen 
gerade in dieser Beziehung so Hochbcdeutendcs leisten, wer 
den unsere deutschen Künstler immer mehr davon abgeschreckt. 
Es ist nicht zu verwundern: denn zunächst werden solche 
Bilder, welche die Schönheit des Körpers in voller Unver- 
hülltheit zeigen, nicht gekauft. Und das ist eine Frage, um 
die sich unsere Künstler, mögen sie auch noch so ideal an 
gelegt sein, doch immerhin einigermaßen bekümmern müssen: 
denn Künstler, „die es Gott sei Dank nicht nöthig haben", 
gehören bei uns zu den großen Seltenheiten. Tie Meisten 
haben vielmehr eine unerfreuliche Aehnlichkeit mit dem Helden 
jener Novelle, die also beginnt: „Er war Maler, und sie 
hatte auch nichts". Und dann mischt sich noch eine sich 
als Sittlichkeit gebärdende unverständige Zimperlichkeit hinein, 
die Geschmack und Urtheil verwirrend, die thörichtesten Ein 
wendungen erhebt. Und dieser Unfug tobt nicht blos im 
Kreise der kleinen Spießbürger — wir wissen ja, daß auch 
an „maßgebender Stelle" die Abneigung gegen das Nackte 
in der Malerei vor einigen Jahren in auffälligster Weise 
betont worden ist. Ter Widerspruch des früheren Cultus- 
ministers v. Mühler gegen die Ausstellung der dem Meere 
entsteigenden Venus von Schlosser ist unvergessen geblieben. 
So ist es also leider recht erklärlich, daß der gefällige und 
leicht verkäufliche Kleinkram eine immer sorgsamere Pflege 
findet und daß das Nackte nur durch verhältnißmäßig sehr 
wenige Bilder vertreten ist. Unter diesen befindet sich aber 
allerdings eins von hervorragendster Bedeutung: „Im Spiel 
der Wellen" von Arnold Böcklin (im Besitz der Kunsthand 
lung von Gurlitt).
        
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