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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

haben gesehen, was wir können!" Einzelne vorzügliche 
Werke können wir ja in den Werkstätten der Künstler sehen. 
Das Einzelne sagt uns nicht genug: wir verlangen nach 
beredter Gesammtheit. Dieser Forderung aber wird die 
Ausstellung im Polytechnikum nicht gerecht. Viele der aus 
erlesensten Künstler fehlen ganz. Vergeblich spät unser Blick 
nach einem Werke von Franz Lenbach, Andreas Achenbach, 
Hans Makart, Pilvty, Gabriel Max n. s. w. Auch Tadema, 
den wir als bisher regelmäßigen Stammgast in unseren 
Ansstellnngen zu den Unseren rechnen durften, hat diesmal 
kein Werk gesandt. Andere hervorragende Künstler haben 
nur einen Pflichtbesuch gemacht, gewissermaßen nur ihre 
Karte abgegeben. Tic anspruchslose „Parkscene" von Adolf 
Menzel beachsichtigt gar nicht, uns den Meister auf der 
Höhe seines Könnens zu zeigen: die bedeutenden Eigen 
schaften auch dieses kleinen Bildes sollen uns eben nur 
daran erinnern, was Menzel in erheblicheren Schöpfungen zu 
leisten vermag. Von Anton v. Werner ist nur ein aller 
dings sehr ähnliches Bildnis; des Hofprcdigers Frommcl 
ausgestellt. Ich will nichts dagegen einwenden; aber mir 
scheint, daß der Direktor der Königlichen Akademie in der 
akademischen Ausstellung doch ein Werk von schwererem Ge 
wicht dem öffentlichen Urtheil hätte unterbreiten sollen. So 
fehlt dieser Ausstellung trotz einzelner hervorragender Kunst 
werke in ihrem Ganzen der große Zug. 
Es beschleicht uns auch ein Gefühl des Bedauerns, wie 
sich unsere deutsche Kunst den großen Zielen abzuwenden 
scheint. Auf den erstaunlichen Mangel an Werken der ge 
schichtlichen Malerei im großen Stile habe ich schon flüchtig 
hingewiesen. Ebenso verhält es sich mit der künstlerischen
        
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