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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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ähnlich ist, als das gelungenste erscheint, nnd ans Leon 
Pohle in Dresden, dessen Frauenbild tviederum große künst 
lerische Eigenschaften enthält, wenngleich es mir diesmal ein 
bischen slach nnd gar zu licht ausgefallen erscheint. End 
lich muß ich noch des mit besonderem Respect aufgestellten^ 
mit einem Trauerlorbeerkranz umrahmten Bildes des ver 
storbenen Präsidenten der Akademie, Hitzig, von Schräder, 
gedenken. Hier wurde der Respect vor eine»: bewährten 
Veteranen der Berliner Maler und vor dem Modell jede 
unehrerbietige Aeußerung unterdrücken, wenn zu einer solchen 
irgend eine Veranlassung wäre. 
Ziemlich planlos bin ich durch die verschiedenen Säle 
der Ausstellung gestreift nnd vor diesem oder jenem Bilde 
stehen geblieben. Ich erkenne meine Schuld: wenn ich aber 
Besserung geloben wollte, so würde ich dieselbe nur noch 
durch unberechtigten Leichtsinn vergrößern. 
II. 
22. Mai 1883. 
Weshalb kann man von der diesjährigen Ausstellung 
nicht einen im Großen und Ganzen befriedigenden Eindruck 
heimnehmen? An der räumlichen Anordnung allein, über 
die ich ja zur Genüge gescholten habe, liegt es schwerlich. 
Eine Ausstellung, die ihrem eigentlichen Zweck entspricht, 
sollte uns ein im Allgemeinen zutreffendes Bild dessen 
geben, was unsere bildende Kunst zu leisten vermag. Tie 
Werke der ansstellenden Künstler sollten stillschweigend das 
selbe sagen, was Richard Wagner zum Schluß des Fest 
spiels in Bayreuth seinen begeisterten Zuhörern zurief: „Sie
        
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