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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

anlaßt, daß man diese Gruppe für „Chiron und Helena" 
erklärt hat. Ich glaube aber, die Kritik soll nicht scharf 
sinniger sein, als der Künstler, und wenn Begas sich damit 
begnügt, sein Bildwerk einfach als „Centaurengrnppe" zu 
bezeichnen, so soll man sich damit zufriedengeben. Das 
kindlich-schüchterne jungfräuliche Wesen, das sich dem behag 
liche» Centaur anvertrauen will, sieht ja auch ganz anders 
aus, als man sich das sinnlich schöne Weib vorstellt, das 
den Untergang von Troja herbeigeführt hat. Die „Cen 
taurengruppe" von Begas gehört zu den schönsten Werken 
des Meisters. Sic zeigt die Vereinigung der beiden großen 
Gaben, die diesem merkwürdigen Künstler zu eigen sind: die 
erstaunliche Keckheit und die liebliche Frische. Meisterhaft 
find auch die beiden Portraits. Das des Kaisers ist von 
allen mir bekannten das schönste Bildniß, das wir von unserem 
Monarchen besitzen. Wie ist in diesem Köpf die hoheitsvolle 
Güte, die Thatkraft und Bescheidenheit charakterisirt! Und 
wie herrlich ist das Bild der erst vor Kurzem verstorbenen 
und tief betrauerten Kathi Eckert! Es ist freilich nicht die 
sprühende, lebenslustige Frau, die die Zierde und den Mittel 
punkt der Berliner Künstlersalons bildete; das edle Gesicht 
hat einen schwermüthigen Ausdruck, es spricht wie vom Ver 
langen nach Ruhe. Aller gesellschaftlicher Tand ist abgethan, 
und ein Spitzentuch, das über den Scheitel gelegt ist und den 
Kopf einrahmt, bildet den strengen Schmuck der edlen, wie 
eine römische Matrone wirkenden Frau. 
Sehr bedeutend und ausdrucksvoll ist auch das Bild 
werk, welches den Titel führt „Die Arbeit", von Wilhelm 
de Groot in Brüssel. Es ist ein sitzender Arbeiter, der 
in der Hand eine Rolle hält, über deren Bestimmung ich
        
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