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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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eignen würden, hinwegzukommen. Namentlich unsere Männer 
trachten, unsere Ueberröckc, Beinkleider, Hüte sind doch auch 
wirklich recht wenig malerisch. Ich lasse cs mir noch ge 
fallen, wenn sie als nothwendiges Uebel in breiter Malerei 
etwa wie von Bockclmami, behandelt werden; aber macht 
man sic „schön", elegant und modisch, dann wird's gewöhn 
lich recht häßlich! Knut Ekwall hat diesmal zwei solcher 
Bilder aus unserem Gcsellschaftslcben ausgestellt: „Schluß- 
Accord" heißt das eine, „Lendemain" das andere. Im 
ersteren sehen wir, wie eine junge Dame, die offenbar eben 
ei» Lied ansgesnngcn hat, ihrem Begleiter — halb zieht er 
sie, halb sinkt sie hin — einen Kuß giebt, ungesehen von der 
Gesellschaft im Nebenzimmer, welche die Kunstlcistung be 
klatscht; auf dem anderen sehen wir ein junges Paar beim 
ersten ehelichen Frühstück. Sie trägt einen hellblauen, 
funkelnagelneuen Schlafrock und er einen ebenfalls ganz 
neuen Morgenanzug, den er sich unbedingt zur Hochzeit hat 
machen lassen. Die Schneidcrfirme» fehlen. Tic schlägt die 
Augen nieder, er scheint ihr zu sagen: „Aber wir sind ja 
verhcirathct!" Uebrigens stimmt die Umgebung nicht richtig 
zu dieser verschämten Situation. Am Boden liegen Blumen, 
eine Serviette ist vom Tisch gefallen, ein Blumentopf ist 
sogar umgestürzt : es sieht so aus, alo ob das junge Paar 
im Speisezimmer herumgetollt und Zeck gespielt hätte. Der 
ganze Raum und namentlich das Buffet ist mit allerhand 
Gefäßen geschmückt; an dem unvermeidlichen metallenen 
Eierkocher mit dem Gockclhahn darauf erkennt man den Ur 
sprung dieses reich assortirten Bronze- und Porzellanschatzes: 
cs sind offenbar Hochzeitsgeschcnkc. Uebrigens ist dieses 
Nebensächliche sowohl auf diesem wie aus dem anderen Bilde
        
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