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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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eottakrug, einen silbernen Handschuh mit Golddamaseirung, 
eine alte Truhe u. s. w. darstellt, die sich von einem rothen 
Sammtvorhang abheben, ist durch den reizvollen Schmelz 
der Farben besonders ausgezeichnet. Sonst sind es nament- 
lieh Malerinnen, die auf diesem Gebiete Interessantes und 
Beachtenswerthes leisten. Ich nenne hier Tina Bl an aus 
Wien, die ebenfalls eine reizende Frühlingslandschaft aus 
dem Prater ausgestellt hat, Margarethe Hormuth: Früh 
lingsblumen, leuchtend und erfreulich in der Farbe, die sehr 
keck gemalten und kräftigen Bilder von Elise Hedinger, 
Berlin, die zu den beachtenSwerthesten dieser Richtung ge 
hören, und als die auffälligsten, aber allerdings auch an- 
spruchvollsten die Bilder von der Baronesse Prenschen. 
In diesen Bildern ist ein wirklicher Farbenrausch; sie sind 
mit großer künstlerischer Freiheit gemalt, sie machen den 
Eindruck einer gewissen Verwegenheit und eines starken Ehr 
geizes. Für die Art, die Baronesse Preuschen besonders 
pflegt, ist schon ein neuer Name gefunden: „Historisches 
Stillleben". Der Mensch- wenn er nur Farben sieht, soll 
glauben, „es müsse sich dabei doch auch was denken lassen", 
und so sehen wir denn ein merkwürdig eingerahmtes Bild, 
auf dem ein Pfau steht, Liebesäpfel liegen, ein Lager in 
Unordnung, einen Helm an der Erde, und das heißt nun: 
„Das Lager der Klevpatra". Nun merken wir ans einmal, 
daß der Helm derjenige ist, den Antonius in der Hitze des 
Gefechtes hat liegen lassen, und nun wissen wir auch, was 
die anspruchsvolle ägyptische Einrahmung zu bedeuten hat. 
Hätte ich den Titel nicht gewußt, so hätte ich mir aller 
dings gar nichts besonderes dabei gedacht : ich hätte schön 
gemalte Sachen gesehen in künstlerischer Unordnung, ein
        
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