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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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geführten interessanten Charakterkopf, Konrad Kiesel, Düssel 
dorf, das wohlgelungene Portrait einer schönen Frau in eleganter 
Toilette — ein ganz modernes Bild — ausgestellt. Zwei vor 
treffliche Portraits sind die von Hugo Crola, Düsseldorf: 
das eine, eine Dame im Garten, hat den züchtigen und 
unmuthigen Charakter eines englischen Gemäldes, während 
das andere, das Bildnis; eines Künstlers, kräftiger und ent 
schiedener auf die Liebe für die alten Meister hinweist. 
Das Aufsehen, das im vergangenen Jahre das Bild 
„Felicic" von Gustav Graes, Berlin, gemacht hat —, das 
Eigenthümliche an diesem nackten Frauenbilde war haupt 
sächlich, daß es als Portrait bezeichnet war — hat auch 
auf diese Ausstellung nachgewirkt. Es sind sehr viele un 
bekleidete weibliche Gestalten da, unter Anderen die von dem 
begabten Fedor En che in Paris, ein auf der Wiese liegen 
des nacktes Mädchen, das den eigenthümlichen Einfall hat, 
eine Taube mit Sternblumen zu füttern. Auch die „Eva" 
von Oskar Begas ist dazu zu rechnen. Sie sieht unendlich 
anständig aus — weniger Eva als eine verehelichte Adam. 
Sic ist keusch bis zur Reizlosigkeit, aber den Verhängnis; 
vollen Apfel hält sie darum nicht minder in der Hand. Daß 
von dieser braven Frau alles Unheil über uns Menschen 
kinder gekommen sein soll, erscheint kaum glaubhaft. Graes 
hat seine „Felicie" selbst noch einmal unter veränderten Be 
dingungen gebracht, diesmal als „Märchen". Wir sehen ein 
Weib, das eine Fischhaut abgestreift hat, und einen Raben, 
der ihr entweder dabei behülflich ist, die Schuppen los- 
zu werden, oder der dieses ausraugirte Garderobenstück sofort 
aufzehrt. Dieser Hans Huckebein wirkt sehr komisch. Die 
weibliche Gestalt ist von unendlicher Zartheit der Haut, ganz
        
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