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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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durch die schöne Helena. Auch Christus ist viel weltlicher 
aufgefaßt, als er uns nach der typisch gewordenen Dar 
stellung des Nazareners vorschwebt. Ueber diese Auffassung 
und Behandlung des biblischen Stoffes laßt sich gewiß strei 
ten, aber die großen malerischen Eigenschaften des Bildes 
sollen darum in keiner Weise verkannt werden. 
Da ich bei dieser fluchtigen Besichtigung der zahlreichen 
Gemälde zunächst von den entweder durch die Gattung oder 
durch die Ausführung typischen sprechen möchte, so will ich 
hier gleich zwei Kricgsbilder erwähnen. L. Kolitz in Kassel 
und G. Bleib treu in Berlin führen uns in die Zeiten 
des Feldzuges gegen Frankreich zurück: beide haben Momente 
aus der Schlacht bei Wörth dargestellt. Bei Kolitz berührt 
vor allen Dingen die Treue und Richtigkeit wohlthuend: 
seine Darstellung hat den Charakter des Glaubwürdigen. 
Man sagt sich, so muß es gewesen sein; da ist nichts hinzu 
gethan, nichts künstlich hineincompvnirt; da ist dem wirk 
lichen Vorgang der entscheidende malerische Augenblick ab 
gesehen und das Erspähte naturwahr dargestellt worden. 
Das Bild ist von großer Wirkung und vortrefflich in der 
Ausführung. Bei Bleibtreu hat die freie Phantasie des 
Künstlers unumschränkter geschaltet. Da ist die Leidenschaft 
lichkeit künstlich gesteigert, die Bewegung mit Rücksicht auf 
die Wirkung beschleunigt, das Schreckliche gemildert. In 
künstlerischer Beziehung besitzt dieses Bild die Vorzüge des 
bekannten Schlachtenmalers. 
Unter den Genrebildern im großen Stil ragt auch in 
diesem Jahre CH. L. Bokelmann hervor. Seine „Ver 
haftung" ist wiederum ein ergreifendes Bild. Vorzüglich ist 
der Ausdruck der Köpfe der Zuschauer dieser peinigenden
        
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