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II. Planlose Wanderungen B. Durch die Kunstausstellungen Die Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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zusammen und wird durch den entschieden blauen Anstrich 
des Schlittens in eine schön wirkende Harmonie gebracht. 
Es ist das Werk eines Künstlers, der sich der Anwendung 
seiner Mittel wohl bewußt ist. 
Ich suche keinen künstlichen Uebergang, um nun von 
einem Maler zu sprechen, der zwar schon seit Jahren als 
regelmäßiger Gast unserer Ausstellungen wiederkehrt, der 
aber nach meinem Erachten niemals so glücklich gewesen ist, 
wie in diesem Jahre; ich meine Julius Jacob. Julius 
Jacob wird von der Kunstkritik und seinen Kunstgenossen 
immer respectvoll behandelt: aber populär ist dieser reich 
begabte Künstler darum doch nicht geworden, und cs wird 
vielleicht noch einige Zeit darüber hingehen, bis er sich in 
weiteren Kreisen soviel Anerkennung erwirbt, lute er nach 
seinem Talent zu erwerben berechtigt wäre. Es schlt die 
sem Talent aber an einer großen Eigenschaft, die gerade 
zur Erlangung der Beliebtheit unerläßlich ist: es sehlt ihm 
das Gefällige. Im Gegensatz zu seinem Landsmann, Paul 
Meyerheim, in dessen Bildern sich immer eine vergnügte 
Auffassung des Daseins, Lebenslust und Jovialität aus 
sprechen, geht durch die Bilder von Julius Jacob ein düsterer 
Zug, etwas Unerfreuliches. Man sieht diesen Bildern an, 
daß sie unter dem grauen Berliner Himmel entstanden sind. 
Jacob ist ein echter Berliner Maler, und bei seinen Bildern 
darf man mit Fug und Recht von der Localfarbe sprechen: 
man kann von diesen wie vom Weine sagen, daß sie den 
Erdgeschmack haben. Die Wahl der Vorwürfe, die Com- 
pvsitivn, die Stimmung und Beleuchtung, alles das weist 
ehrlich die Berliner Ortsaugehvrigkeit ans. Er ist der ge 
treueste Maler unseres sonnenarmen Himmelstriches. Aber
        
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