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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater "Ein Mann von Eisen und ein König von Thule"

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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lichkeit mit Hedwig Niemann-Raabe hat, ein ansprechender 
warmer Ton, richtiges Verständniß, Einfachheit und Natür 
lichkeit im Vortrage — Alles noch etwas schüchtern und 
unentwickelt, noch nicht zuversichtlich genug, aber keine 
Unart. Auch einige Episoden wurden recht gut gespielt, 
z. B. die des südamcrikanischen Generals, der die Rechte, 
die ihm das französische Sprichwort giebt: „Wer von weit 
herkommt, kann gut flunkern", weidlich ausnützt und seinen 
Zuhörern die unglaublichsten Schnurren erzählt, die sich „bei 
uns ... da unten . . . im Süden" zugetragen haben 
sollen. 
„Bei uns ... da oben . . . im Norden!" sagt Felix 
Dahn. 
Es thut mir leid, einem so verdienten, hochgebildeten, 
ja, gelehrten Manne, dem wir nebenbei auch eine der be 
deutendsten Romandichtuugen unserer Tage, den „Kampf 
um Rom", zu danken haben, über sein neues Schauspiel 
„Skaldenkunst", das den Winterrcigcn im Schauspielhause 
eröffnet hat, nicht viel Verbindliches sagen zu können. Ich 
will gleich den mildernden Zusatz machen, daß das wahr 
scheinlich an mir selbst liegt. Denn ich gestehe ganz offen: 
ich habe literarische Idiosynkrasien. Gewisse Zeiten erscheinen 
mir ganz unverdaulich: und wenn cS über einen gewissen 
Breitengrad hinausgeht, dann vergeht mir die Lust zum 
Reiten „iirs alte romantische Land". Das Unglück will 
nun, daß von der Gegenwart zurückschallend meine Theil 
nahme gerade da aufhört, wo die von Felix Dahn noch 
lange nicht anfängt. Wenn ich lese: „Die Handlung spielt 
in Thule circa zu Ausgang des vierten Jahrhunderts", so 
muß ich mir gestehen, daß ich von Thule eigentlich nicht
        
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