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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater "Reif-Reiflingen". Von Gustav von Moser. "Die Jungfrau von Belleville". Von Millöcker

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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in nächster Zeit auf dem Wallnertheater noch ein Stück 
„Lubowski" von Adolf LÄrronge oder auch von Moser, 
Mofer ist selbst preußischer Osficier gewesen, und die 
Preußischen Osficiere sind seine besten dramatischen Gestalten. 
Mit dem „Veilchensresser" hat er angefangen, „Krieg im 
Frieden" ist gefolgt und „Reif von Reislingen" ist uns 
zum dritten Male willkommen. Der Held dieses neuesten 
Schwankes ist eine vorzügliche Lustspiclsignr, erfreulich und 
erheiternd, ohne lächerlich zu sein, ein vergnügter, lebens 
froher, lebenssrischer und anständiger Mensch, mit dem man 
immer gern verkehren würde. Er hat sich seit dem Jahre, 
das etwa verflossen sein wird, seitdem wir ihm das letzte 
Mal begegnet sind, sogar noch zu seinem Vortheil verändert. 
Er hat an Lustigkeit nichts eingebüßt, und von Zeit zu 
Zeit läßt er auch in einem unbewachten Augenblick und 
ein Bischen schüchtern so etwas wie sittlichen Ernst durch 
schimmern, der ihn gar nicht schlecht kleidet. Er sagt nicht 
mehr so oft „schneidig" wie früher, er sagt dafür „stilvoll"; er 
hat sich die Redensart „Unter Kameraden ist das ganz egal" 
abgewöhnt und sich dafür die neue „Um mich eines militä- 
schen (oder botanischen oder zoologischen oder unverfälschten 
und ungegipsten Berliner) Ausdrucks zu bedienen" beigelegt. 
Moser ist ein geschickter Mann. Er weiß, eine wie 
große Wirkung dadurch erzielt wird, wenn man eine Ge 
stalt, die besonders sauber durchgeführt ist, in die hellste 
Beleuchtung rückt und die ganze Umgebung, die eben nur 
höchst oberflächlich skizzirt ist, in inattes Dunkel stellt. Er 
hat von diesem Kunstgriff in „Reif von Reiflingen" über 
triebenen Gebrauch gemacht. Gleichgültigere schemenhaftere 
Wesen, als die, welche die Umgebung des Helden bilden,
        
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