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I. Lebende und Todte Reinhold Begas

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

dürfen, aber das geschah abermals nicht. Wiederum bewarb sich 
Begas, wiederum hatte er denselben Erfolg bei allen denen, 
auf die cs schließlich allein ankommen sollte, nämlich bei 
denen, die etwas von der Sache verstehen. Aber er hatte 
sein Kunstwerk geschaffen, wie Walter Stolzing sein Lied 
vom Frühling fingt, ohne sich um die Tabulatur der Meister 
zu kümmern: und wiederum mußte Begas auf die Aus 
führung seiner herrlichen Entwürfe, die den höchsten Schmuck 
unserer diesjährigen Kunstausstellung bilden, verzichten, sich 
in die Arbeit mit dem trefflichen Bildhauer Otto, unserm 
jüngsten Professor theilen, und sich zur Ausführung eines 
neuen programmmäßigen Werkes bequemen. Bei aller war 
men Anerkennung unserer schönen Humboldt-Denkmäler kann 
derjenige, der von den Kunftfchöpfnngcn von Reinhold Begas 
spricht, nicht umhin, mit Ludwig Pietsch es aufrichtig zu 
bedauern, daß zwei „der originellsten schönheitsvollsten 
Schöpfungen der modernen Plastik" unausgeführt bleiben. 
Dasselbe harte Schicksal ist einem andern, einem der 
schönsten Werke von Reinhold Begas beschieden: dem Grab 
denkmal, das Oe. Strausberg seinem srühverstorbencn 
ältesten Sohne errichten wollte. Halbfertig, mit einer dicken 
Staubschicht bedeckt, steht dieses wundervolle Werk in der 
Werkstätte des Künstlers, ein rührendes Denkmal flüchtigen 
Glanzes und entschwundener Pracht. Von den wehmüthigen 
Betrachtungen, zu denen der Anblick dieses edlen, so tief 
empfundenen und so herrlich ausgeführten Werkes auffor 
dert, wollen wir uns schnell losreißen und heute nur daran 
denken, daß dessen Schöpfer, einem der größten Künstler 
unseres Vaterlandes, die höchste Ehre, die ihm nach den 
bestehenden Auffassungen erwiesen werden kann, erwiesen
        
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