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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater Herbstliches. Im Nationaltheater, bei Wallner und die Meininger

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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einen großen Erfolg zu zählen berechtigt erschien. „Die 
Welt, in der man sich langweilt," von Pailleron, ist zwar 
nicht fünfhundert Mal, wie ein deutscher Kritiker sagte, im 
Theater Franxais gegeben worden, wohl aber an die zwei 
hundert Mal. Das liebenswürdige unterhaltende Stück hat 
auch in Wien die freundlichste Aufnahme gefunden. Hier 
ist es nicht zur Geltung gekommen. Unser Publikum geht 
nun einmal in bestimmte Theater mit gewissen bestimmten 
Voraussetzungen, und es will im Wallncr-Theater seine 
Lieblingsschauspieler in solchen Rollen sehen, die diesen vor 
Allen zusagen; es will bei Wallner Ernestine Wegencr, 
Engels, Blancke, Meißner, Willen sehen; es will iiber guten 
Unsinn herzlich lachen. Für Anderes, für vornehme Satire, 
elegante Sprache, seine Ironie, so meint es, sind andere 
Theater da. Bietet man ihm dergleichen im Walluer- 
Theater, so sagt es mit betn braven Lubowski, dem Kutscher 
des „Dvctor Klaus": „Das ist kein sogenannter Genuß", 
und init Hubert, dem Factotum in den „Wohlthätigen 
Frauen": „Gefällt mir gar nicht, bum!" Dieses „Bum" 
ist von einer ganz verhängnißvollen Stärke und übertönt 
alle Einwendungen des Leiters, der sich vergeblich abmüht, 
sein Schifflein nach der sogenannten „höheren Richtung" 
hinzusteuern. 
Tie Meininger, die der ungewöhnliche Erfolg ihrer 
Frühlingscampagne dazu veranlaßt hat, mit dem Herbste 
hierher zurückzukehren, haben das kleüte, behagliche Friedrich 
Wilhelmstädti-sche Theater mit dem glänzenderen, großartige 
ren, aber viel ungastlicheren Victoria-Theater vertauscht — 
ich fürchte, nicht zum Vortheil ihrer Aufführungen und nicht 
zum Vortheil ihrer Kasse. In den bescheidenen Verhält-
        
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