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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater Herbstliches. Im Nationaltheater, bei Wallner und die Meininger

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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nicht viel darauf an, wie die erste Wirkung einer Stadt ist; 
und ich glaube, so Mancher würde aus den überraschenden 
Anblick gern verzichten, wenn ihm für diesen Verzicht die 
Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten der guten alten vor- 
stadtbahnlichen Zeit erhalten blieben. Bekanntlich kommt 
man ans den Bahnhöfen nicht blos an, sondern reist bis 
weilen auch ab, und für die abreisenden Berliner ist die neue 
Einrichtung, welche den ganzen Verkehr in den wenig ge 
räumigen Bahnhof der Friedrichstraße zusammendrängt, nicht 
sehr angenehm. Die Verwaltung stellt sich in einen Gegen 
satz zu der Auffassung der Allgemeinheit und zu der That 
sache, daß der Bahnhof in der Friedrichstraße der Mittel 
punkt des Verkehrs ist: sie hat die große Zeit des Aufent 
haltes nach dem Schlesischen Bahnhof verlegt, während in 
der Friedrichftraße die durchgehenden Züge nur wenige Mi 
nuten halten. Während dieser wenigen Minuten hat man 
gerade Zeit, schnell irgeikdwo einzusteigen, und es ist dem 
Abreisenden nicht vergönnt, mit dem dienstthuenden Personal, 
mit dem Schaffner und Zugführer, in jenes angenehm ver 
trauliche Verhältniß gegenseitigen persönlichen Wohlgefallens 
zu treten, das Jedermann, der eine längere Reise antreten 
muß, zu würdigen weiß und daher anzustreben bemüht ist. 
Man kann sich seinen Platz nicht nach Belieben aussuchen, 
man kann mit dem Schaffner keine verständnißinnigen Worte 
austauschen, um diesen zu veranlassen, daß er uns womög 
lich allein läßt oder uns wenigstens keine allzu geräuschvolle 
und störende Gesellschaft zuführt — und so weiter. Die 
Folge der augenblicklichen Einrichtung ist, daß die von Ber 
lin Abreisenden, die eine längere Fahrt machen, lieber den 
weiten Weg nach dem Schlesischen Bahnhof in einer Droschke
        
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