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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater Das Wallenstein-Drama in der Aufführung der Meininger

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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in leichten, aber immerhin verständlichen Andeutungen die 
Stimmung der einzelnen Heerführer: die Reizbarkeit Jsolanis, 
die trotzige-Ergebenheit Terzkys und Jllos, die bis dahin 
noch nicht erschütterte Anhänglichkeit Bnttlers, die Gleich 
gültigkeit des Einen, die kaiserliche Gesinnung eines Anderen, 
die lediglich gelangweilte Stimmung eines Dritten u. s. w. 
Als schauspielerische Leistungen sind außer der Herrn 
Weisers als Jllo vor Allen: noch die beiden Piccolomini zu 
nennen: Octavio, Herr Richard, Max, Herr Gunz, die das 
große Zwiegespräch des letzten Aufzuges klar, verständig und 
warm vortrugen. 
Wenn die Meininger Regie, um ihre bewährten Eigen 
heiten zu zeigen, bei den „Piccolomini" sich genöthigt 
sieht, die erste günstige Gelegenheit, die ihr eine Aeußerlich- 
keit bietet, beim Schopfe zu fassen — wie also das Gelage 
bei Terzky — wenn sie da eben bei allem Fleiße, bei allem 
Geschmack und allem Geschick doch nichts anderes heraus 
zubringen vermag, als ein Bild von mehr malerischer als 
dramatischer Kraft, so stellt die Aufführung von „Wallen 
steins Tod" der Regie ganz andere, höhere Aufgaben. Da 
liegt das, was die Zuschauer iu künstlerischem Sinne er 
greifen soll in der Dichtung selbst. Da hat sich dem Dar 
steller, der des Dichters Worte zu Ehren bringt, Derjenige, 
der den äußerlichen Rahmen'für die Dichtung herstellt, der 
den stimmungsvollen Hintergrund und die richtig abgetönte 
Umgebung schafft, vollends unterzuordnen. — Es gereicht den 
Meiningern zu besonderer Ehre^, daß sie diese Aufgabe er 
saßt, sich gestellt und in einer Weise gelöst haben, die uns 
nach dem, was wir von der schauspielerischen Leistungsfähig 
keit der Meininger bisher wußten, wahrhaft überrascht.
        
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