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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater Das Wallenstein-Drama in der Aufführung der Meininger

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Das „Lager" ist ganz geeignet, die bekannten Vorzüge 
der Meininger in Helles Licht zn rücken. Es ist ein buntes, 
lustiges, heiteres und lvüstes Bild, vielleicht etwas zer 
streuend durch zu viele Einzelheiten, aber doch im Ganzen 
fesselnd, das sich unseren Augen darbietet. Die zahlreichen 
Gruppen, die zechend, johlend und spielend umherliegen oder 
in gewichtiger Unterhaltung sich das Neueste vom Kriegsschau 
platz erzählen, die sich auflösen, sich hier zu einem vertrau 
lichen Zwiegespräch neubilden, dort zu einem großen Haufen 
zusammenrotten, sind vorzüglich geordnet. Ein Jeder weiß, 
was er zu thun hat; er bleibt in seiner Rolle; nirgendwo 
ein todter Punkt. Die bunten Farben der Trachten von 
sonderbarem Schnitt sind mit feinem künstlerischem Geschmack 
abgestimmt: und fällt der Blick irgendwo auf einen schreien 
den bunten Fleck, so ist das weise berechnet und thut seine 
wohlthätige Wirkung. Es ist vielleicht zu viel Bewegung 
da : cs wird zu viel gelärmt; mitunter macht cs Schwierig 
keiten, die Schiller'schen Verse zu hören; aber es muß ge 
sagt werden, daß mit Sorgfalt darauf geachtet ist, das We 
sentliche — wenn es nicht unchrcrbietig erscheint, bei Schiller 
eine Trennung von Wesentlichem und Unwesentlichem zu 
machen — ungeschwächt zu Gehör und zu verstärkter Wir 
kung zu bringen. Dadurch, daß die Meininger bald die 
lärmenden Haufen, bald die einzelnen Sprecher in den Vor 
dergrund schieben, haben sie dem Lagerbild eine realistische 
Mannigfaltigkeit gegeben und in die Handlung auch eine 
Steigerung hineinzubringen gesucht; sie haben überhaupt 
keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um Wirkungen, die 
durch die Dichtung nur angedeutet werden, herauszutreiben. 
Das Auftreten des Rekruten, die Abfassung des Bauern
        
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