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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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stehen durch einen Schlauch mit der Gasleitung in Ver 
bindung und sind von oben bis unten mit Löchern versehen. 
Der Hahn wird geöffnet, das Gas wird angezündet und 
Hunderte von langen züngelnden Flammen, die eine furcht 
bare Hitze verbreiten müssen, dringen auf den unglücklichen 
Insassen ein. In dieser, nach menschlicher Berechnung un 
möglichen Temperatur hält es der Salamander minutenlang 
aus, während das Orchester eine sentimentale Romanze 
spielt. 
Auch die sogenannte „Schwerterschluckerin" — ich glaube, 
sie hieß Miß Jona —, die ihre Künste im Vaudevilletheater 
ani Alexanderplatz zeigte, gehört zu dieser Gruppe. Auf 
der Bühne waren zu einer Art von Trophäe blitzende 
Schwerter, die wenigstens zwei Finger breit und einen halben 
Meter lang waren, in einer für das Auge wohlgefälligen 
Weise geordnet. Die Dame trat hervor, reichte die Schwerter 
im Publikum herum, nahm dann eins davon, reckte den 
Kops in die Höhe, sperrte den Mund auf und stieß cs lang 
sam bis an's Heft in den Schlund. In dieser Stellung 
verharrte sie eine Weile, trat alsdann einen Spaziergang 
über die Bühne an und entfernte nach einiger Zeit, die eine 
Unendlichkeit erschien, langsam das Schwert aus seiner merk 
würdigen Scheide. Das Kunststück wurde in geistvollen 
Abwechslungen mehrfach wiederholt; auf beit Griff wurde 
zum Beispiel ein schweres Gewicht gestellt, das die Unglück 
liche in der Schwebe hielt und als Haupt- und Schlußstück 
kam Folgendes: Sie nahm fünf oder sechs dieser Schwerter 
mit sehr biegsamer Klinge, steckte sie zusammen in den Mund, 
machte darauf eine sehr heftige und jähe Bewegung mit 
dem Oberkörper und zog dann schnell die Schwerter heraus:
        
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