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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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wie gewöhnlich! Hätte eine statistische Untersuchung an 
gestellt werden können, so würde diese vielleicht zn dem merk 
würdigen Ergebniß geführt haben, daß an jenem Abend die 
Hauptstadt für das Vergnügen, daß sie außer dem Hause 
sucht, dieselbe Summe verausgabt hat wie an anderen, für 
die Theater glücklicheren Abenden, die so und so viel aus 
verkaufte Häuser ausweisen. 
Wo bleibt nun der Unterschied? Wem kommt der 
Ausfall der Theatereinnahmen zu Gute? Ich glaube, dem 
Circus und jenen Vergnügungsstätten, in denen die Kunst 
stücke, die von Rechtswegen in den Circus gehören, auf 
geführt werden. Für Diejenigen, welche so gern von der 
sittlichenden Kraft der Bühne reden und sich von dem wohl 
thätigen Einflüsse der Volksbühnen goldene Berge versprechen, 
mag das freilich überaus betrübend sein, aber richtig bleibt 
es darum nicht minder. Wie es übrigens um unsere Volks 
bühnen bestellt ist, und in welcher Weise diese die sittliche 
Aufgabe, die ihnen zugewiesen ist, verstehen und zu lösen 
suchen, das wollen wir bei einer anderen Gelegenheit einmal 
etwas näher in's Auge fassen. Für heute wollen wir uns 
nur mit den gefährlichsten Nebenbuhlern unserer Theater 
beschäftigen, mit jenen der öffentlichen Lustbarkeit geweihten 
Räumen, in denen das Hauptvergnügen für den Zuschauer 
darin besteht, daß dieser bei einer jeden Vorführung die an 
genehm prickelnde Erregung hat: das Kunststück, das uns 
hier gezeigt wird, kann dem, der es ausübt, vielleicht Kopf 
und Kragen kosten. 
Die grausame Lust des Menschen an der Beobachtung 
der gefahrvollen Lage des Nebenmenschen, verbunden mit 
der Freude zu sehen, inte dieser durch seine Gewandtheit der
        
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