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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater "Odette" von Victorin Sardou

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Galan setzt er sich in der üblichen Weise auseinander und 
erhält dafür den üblichen Degenstich, von dem er jedoch 
nach einiger Zeit gesundet. Odette verläßt mit ihrem Ge 
liebten Paris, und die tragische Vorhersagung des sterben 
den Valentin iibcr pflichtvergessene Weiber, die mit einem 
heimlich anfangen, bewährt sich auch an ihr. Während sie 
an der Seite von Männern, die der Zufall, eine flüchtige 
Neigung oder kühle Berechnung ihr zugesellt haben, in jenen 
schönen Städten Italiens, die nach allgemeiner dichterischer 
Uebcreinkunft als der Sammelpunkt zweideutiger Existenzen 
gelten, ihr abenteuerliches Leben führt, rauschen die Jahre 
dahin; und in derselben Zeit entwickelt sich ihre Tochter 
Berangöre unter der rührenden Pflege und zärtlichen Obhut 
des Vaters zu einer liebreizenden Jungfrau. 
Nach fünfzehn Jahren etwa treffen die drei durch 
Odettes Schuld auseinandergesprengten Familienmitglieder, 
in Nizza wieder zusammen. Odette ist nun bis zur Ge 
liebten eines falschen Spielers, der den vornehmen Namen 
der Gräfin Clermont-Latour als Anziehungsmittcl für seine 
Spielhölle ausbeutet, herabgesunken. Berangtzre, ihre Toch 
ter, steht im Begriff, sich mit einem jungen Manne, den sic 
von Herzen liebt, zu verloben. Die "Familie des jungen 
Mannes knüpft indessen eine Bedingung an die Zustimmung 
zu dieser Verbindung: die unangenehme Schwiegermutter, 
Gräfin Odette, soll sich beseitigen, sie soll den Namen Cler 
mont-Latour ablegen und sich verpflichten, den französischen 
Boden nie wieder zu betreten. Ter Graf führt selbst diese 
Unterhandlungen. Odette läßt sich jedoch auf nichts ein. 
Ihrer Weigerung liegt jedes ideale Motiv so fern wie nur 
möglich. Es ist Trotz, nichts weiter: sie will eben nicht!
        
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