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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater "Der lustige Krieg". Von Johann Strauß

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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mit rührseligen Volksstücken sich in die Gunst des Publikums 
zu theilen brauche». Mit den Operetten ist es uns ähnlich 
ergangen wie mit einigen technischen Ausdrücken der Kriegs- 
sührung, die unser altes gutes Deutsch ursprünglich an die 
Franzosen abgetreten und die wir dann in der französischen 
Zurechtmachung und Verstümmelung in Gnaden wieder aus 
genommen haben. 
Der Vater der neuen Operette, von der ich spreche und 
die sich zu dem alten Singspiel verhält etwa wie der Witz 
Heinrich Heines zu dem des alten Gleim, ist Offenbach, 
Jacques Offenbach, wie er sich in richtiger Erkenntniß der 
Zwiespältigkeit seines deutsch-französischen Wesens selbst ge 
nannt hat. Auf der Rückkehr nach der Heimat ihres Ur 
hebers hat die Operette allerdings wesentliche Veränderungen 
erfahren. Franz v. Suppe und namentlich Johann Strauß 
haben es sich angelegen sein lassen, die Operette, im Gegen 
satz zu Offenbach, der auch im musikalischen Ausdruck ans 
den Witz den Schwerpunkt verlegte, die sonderbarsten Rhyth 
men, die drolligsten Harmonien und die lächerlichsten Wir 
kungen mit dem Orchester ersann und die ganze Sache mit 
wahrhaft genialem Leichtsinn immer nur als mehr oder min 
der gelingenden künstlerischen Unsinn betrachtete, musikalisch 
zu verfeinern und zu vertiefen. In jeder der guten Operetten 
von Johann Strauß sind Melodien von einer Zartheit und 
Anmuth, sind Feinheiten in der Stimmführung und in der 
Klangwirkung, die nicht blos die Befriedigung über den 
wohlgerathenen Scherz hervorrufen, sondern auch bei den 
strengsten Richtern den Respect vor dem ungewöhnlich be 
gabten und mit dem besten Rüstzeug der Technik aus 
gestatteten Musiker herausfordern.
        
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