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II. Planlose Wanderungen A. Durch die Theater "Die Prinzessin von Bagdad" von Alexander Dumas

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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hüllt hat, bei Scitc, reißt sich das Kleid auf, löst die Haare 
und läßt sich in diesem Zustande überraschen. Vergeblich be 
theuert Nourvadh die Straflosigkeit seines Verhältnisses zu 
Lionettc: diese erklärt und läßt die Lüge Protokolliren, daß 
sie allerdings die Geliebte Nourvadys sei. Sie hat nun 
die Brücke hinter sich abgebrochen und ist entschlossen, mit 
Nourvadh durchzugehen. Ta tritt ihr sechsjähriges Kind 
ihr ahnungslos in den Weg und mit der widrigen Sen 
timentalität, die alle geschmackvollen Menschen schamroth 
macht, bricht sich nun jenes unwahre Gefühl, das in den 
französischen Dramen als Mutterliebe gilt, Bahn, und der 
kleine Junge treibt seine Mama von dem Abwege auf den 
Pfad der Tugend zurück. 
Das Stück ist aus. Was wird aus dem Geschwätz der 
Leute, die sich vor dem Palais in den Elhsäischen Feldern 
angesammelt hatten, was wird ans dem Skandal? Wie wird 
sich Lionette zum Grafen stellen, der sic beschimpft und ihren 
Schimpf polizeilich hat protokolliren lassen? Und wie wird 
dieser Graf sich zu Lionette stellen, die sich in einem un 
möglichen Zustande den Beamten gezeigt und vor ihnen er 
klärt hat, sie sei Nourvadys Geliebte? Alles das sind und 
bleiben offene Fragen. Am verletzendsten aber wirkt die 
falsche Mutterliebe. Zeitweilig wird man im Theater durch 
die starken theatralischen Effekte, durch die Keckheit und 
meisterhafte Sicherheit, mit welcher einzelne Scenen geführt 
sind, über das Unwahre der Situationen und Charaktere 
hinweggetäuscht; aber das Ganze gewährt das Gegentheil 
dessen, was ein echtes Kunstwerk gewähren soll: der vollen 
Behaglichkeit: es hinterläßt ein Gefühl der Dedc und Ver 
stimmung.
        
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