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Full text: Ueber den Fläming

Gewerbe einführenden und Schulen gründenden Cisterzienser. 
Unter dem Einfluss des „Arbeite und bete“ schwanden 
allmälich offener und geheimer Widerstand, und wenn die 
Slawen sich auch anfänglich noch in ihren eigenen Ringdörfern, 
abseits der neuangelegten, langgestreckten fränkischen Ort 
schaften getrennt hielten — daher die vielen Nebendorf er 
durch den Zusatz „Klein“ unterschieden —, nach und nach 
■schmolzen Groll und Hass. 
So unbedeutend und gering der Genuss eines Ausflugs 
in diese Gegend dem Radler nach einem oberflächlichen Blick 
auf die Karte auch erscheint, so angenehm enttäuscht wird 
er sich nach Bewältigung der ersten zwanzig Kilometer fühlen. 
Und wenn während des landschaftlich nicht allzu ansprechenden 
Beginns der Partie Einer oder der Andere über Oede murrt, 
bietet ihm Romantik und Geschichte doch des Interessanten 
übergenug. 
Kaum ist vom Halleschen Tliore aus zwischen Kreuz 
berg und Bockbrauerei die Höhe des Tempelhofer Feldes 
erklimmen, so befinden wir uns auf der Stätte, auf welcher 
Joachim I. 1525 mit seinem Hofe und „getreven Burgern“ 
Berlin’s vergeblich — ob auch ungeduldig, ist fraglich — 
dem vielversprechenden Schauspiele des angekündigten Welten 
untergangs entgegensah. Auf schmalem, neben der fürchterlich 
gepflasterten Chaussee herziehenden Fusswege überqueren wir 
das, an Wochentagen von Kommandorufen, schmetternder 
Musik und Flintengeknatter erfüllte und von manövrirenden 
Truppen belebte, gewaltige Uebungsfeld der Berliner Garnison. 
Hinter der Ringbahnüberführung nimmt uns die einstige, 1247 
als „Templo“ erwähnte Komthurei der Tempelritter, die 
Gemeinde Tempelhof auf. Aus jenen vergangenen Zeiten 
stammt noch die uralte, zwischen dichten Hecken und hohen, 
alten Linden malerisch gelegene Kirche, zu der wir auf Fuss- 
wegen von der Berliner- und Dorfstrasse aus gelangen. Ihr 
graues, von Fliederbüschen eingeengtes Feldstein-Oyklopen- 
Mauerwerk zeigt die regelrechte Anlage eines quadratischen 
Chors nebst halbrunder Apsis,-sowie einen breiten Turm. 
Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg, VI. 
2*
        
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