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Full text: Ueber den Fläming

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Hügel und Thäler wechseln mit einander ab und allmählig steigt 
der Weg immer mehr in die Höhe; des öfteren glaubten wir schon 
den Kamm erklommen zu haben, wenn wir wieder eine Berg 
kuppe erreichten, aber immer weiter zieht sich die Strasse. 
Zu beiden Seiten dehnt sich dichter Wald, dessen grüne Wand 
vom tiefen Dunkel der Tannen bis zum hellen der Birken alle 
Schattirungen zeigt und jede Aussicht versperrt. Nur zwei 
Dörfer passieren wir auf der iil»er dreissig Kilometer langen 
Strecke, das sind Marzahn, hinter dem wir die höchste Stelle 
des Fläming mit 131 Meter überschreiten und Kropstedt, 
von wo aus in sanftem Fall unsere Räder uns nach der Ge 
burtsstätte der Reformation hineintragen. 
Auf dem rechten Ufer der Elbe breitet sich in weiter 
Ebene die alte Lutherstadt Wittenberg aus, die, wie kaum 
eine andere deutsche Stadt, das Gepräge einer interessanten, 
reichbewegten historischen Vergangenheit trägt, denn bei jedem 
Schritt begegnen wir Baudenkmälern aller Art, vornehmlich 
aus jener Epoche der grossen religiösen Umwälzung. 
Ist die Gründung Wittenbergs auch nicht genau fest 
zustellen, so bestand es doch sicher schon Mitte des zwölften 
Jahrhunderts und wurde nach der Vertreibung der Slaven mit 
fränkischen und flämischen Kolonisten besetzt, die ja dem ganzen 
Landstrich den Namen gaben. Die Nachkommen Albrechts 
des Bären residierten lange Zeit in Wittenberg, ihre Gebeine 
fanden in der ehemaligen Franziskanerkirche eine Ruhestätte. 
1 lie Kirche stand an der Stelle der heutigen Artillerie-Kaserne, 
und man hat bei Ausgrabungen, welche hier im Jahre 1883 
vorgenommen wurden, Reste von 20 Leichen aufgefunden, die 
nach den noch vorhandenen Totenregistern in neue, mit den 
Namen der Entschlafenen versehene Särge geordnet, nach 
der Schlosskirche überführt wurden. 
Im Jahre 1486 errichtete Friedrich der Weise an Stelle 
des verfallenen alten Schlosses ein neues, gründete die Uni 
versität, erbaute die Schlosskirche, und er, wie auch seine Nach 
folger wohnten zeitweise wieder in der Stadt. Johann Friedrich 
der Grossmütige verlor infolge der Schlacht bei Mühlberg
        
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