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Full text: Ueber den Fläming

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Von epheuübenvucherten Gräbern umgeben konnte das 
Kirchlein wohl viel, sehr viel erzählen, denn es gehört zu den 
ältesten Kirchen der Mark, da die Erbauung auf den Schluss 
des zwölften Jahrhunderts festgesetzt ist. Jedoch wird die 
Kirche damals wohl etwas anders ausgeschaut haben. Statt 
des jetzigen 1 hölzernen Turmes erhob sich ein steinerner, und 
als Fenster dienten den Wänden nur schiessschartenartige 
Oeffnungen. Eine hohe Mauer zog sich um sie herum und 
ein unterirdischer Gang führte zu dem nahen Ordenshause, 
damit in den oft genug eintretenden Stunden der Gefahr die 
Kirche auch als Feste dienen konnte. 
Die Johanniter übernahmen 1315, nach dem Sturze der 
Templer, das Besitztum, um es schon 1435 an die Städte 
Berlin und Kölln abzutreten. 
Im Oktober 1760 rückten von hier aus 5000 Mann Russen 
gegen das in aller Eile befestigte Berlin vor, beschossen es 
und unternahmen gegen die, nur von 1500 Mann verteidigte 
Stadt einen dreimaligen, vergeblichen Sturm; bis sich zur 
russischen noch eine österreichische Truppe gesellte, die vereint 
am andern Tage Berlin besetzten. 
Einen neuen kriegerischen Zug sah Tempelhof am 
29. April 1809. es war das Husarenregiment des Majors 
von Schill, der hier kurz vor dem Dorfe seine Schwadronen um 
sich versammelte und ihnen in begeisternden Worten, hoch in 
der Hand die ihm von der Königin Luise geschenkte Brief 
tasche haltend, den eigentlichen Zweck des Ausmarsches aus 
einandersetzte: Kampf auf eigene Faust gegen denverhassten 
Feind! Brausende Zustimmungsrufe waren die erwartete 
Antwort und tollkühnen Mutes sprengte die kleine Schar 
durch die stille Dorfstrasse, dass Kies und Funken stoben, 
hinaus in die ungewisse Zukunft. 
Und wenig über sechs Dezennien später, war die blutige 
Saat aufgegangen und das Tempelhofer Feld blitzte von 
Uniformen und Wallen und hallte wieder von dem donnern 
den Hurra der Truppen, an deren Fronten des neugeeinten 
Deutschlands erster Kaiser voriibersprengte, um sie nach un
        
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