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Full text: Nach Wörlitz

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eng begrenzt, sondern frei und luftig ist der Platz, auf dem 
aus grün umhegten Hügel der altehrwürdige Bergfried immer 
noch trotzig in die Luft ragt, er, der einzige Ueberrest einer 
längst dahingerauschten Zeit. Nur kümmerliche, altersgraue, 
mitleidig von Ginster überrankte Steintrümmer in seiner Nähe 
sind vielleicht Mitzeugen ruhmvoller Epochen. 
Durch Kurfürst Ernst wurde 1465 die Burg bedeutend 
erweitert und Zimmer und Hallen mit fürstlicher Pracht aus 
gestattet; er legte auch dem ehemaligen „Grentzhause von 
Belzig“ den Namen „Eisenhart“ bei. Haben die Jahrhunderte 
auch mit rauher Hand darüber hin- und fast Alles fort 
geweht, der Wartturm widerstand und lässt uns von seinen 
Zinn&n ein ungemein malerisches Panorama schauen. 
Unter uns im grünen Kranz die freundliche Stadt, über 
deren rote Dächer der Turm der Marienkirche und das 
Glockentürmchen des Rathauses fortragen, dann das feine 
silberne Band des, unserem Burgaufstieg zur Seite herab 
plätschernden Baches, der sausend die Räder der Schlossmühle 
treibt und sich dann zwischen den Wiesengründen in der 
blauen Ferne verliert, dort wo sich die Blicke in dem lichten 
Nebeldämmer des Horizonts verlieren. 
Nachdem wir den über dreissig Meter hohen in einer 
Mauer-Grundstärke von vier Metern aus Granitquadern 
erbauten und erst vor vielleicht fünfzig Jahren mit Ziegeln 
umkleideten Veteranen verlassen, schreiten wir, an dem langen 
zweistöckigen, bis zur Aufhebung des Monopols als Salz- 
magazin verwendeten Quergebäude vorüber und werfen dabei 
einen Blick auf den parkartigen, an der West- und Süd 
seite befindlichen Garten. 
Unter dichtem Blätterdach entdeckten wir erst bei 
unserem Austritt aus der Burg rechter Hand das romantische 
Kapellchen St. Briccius, wohl das älteste Bauwerk Belzig’s, 
*) Zur Besichtigung der Burg ist die schriftliche Erlaubnis des 
Landrats von Stülpnagel in Belzig einzuholen. Den Schlüssel zum 
Bergfried hat der auf dem Burgberg wohnende Kastellan.
        
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