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Full text: Nach Wörlitz (Public Domain)

17 — 
in die richtige Kien-Haide über: starre, störrige Kiefern, 
behängen mit verschrumpften Flechten, trockne Nadeln auf 
der Erde, etwas Moos, kaum noch dürres Gras und dann 
Sand, Sand, auf dem sich Gemeinde Michendorf erhebt. 
Bald liegt auch dies Dorf hinter uns, die Ober-Försterei 
Cunersdorf und gleich dahinter das zur Gemeinde Seddin 
gehörige, am gleichnamigen See gelegene Gasthaus Jägerhof 
tauchen vor uns auf, um ebenso schnell vergessen zu werden; 
noch eine kurze flotte Fahrt, dann nimmt uns das freundliche 
Landstädtchen Beelitz auf und im „goldenen Stern“ erquickt 
ein frischer Trunk den durstigen Radler. 
Die Stadt Beelitz ist, da sie bereits im 11. Jahrhundert 
erwähnt wird, von ehrwürdigem Alter, aber vielfache Brände 
tragen die Schuld, dass gar keine Urkunden und nur sehr 
wenige Baudenkmäler früherer Zeit existieren, so die in der 
Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute Backsteinkirche, deren 
„Heilige Blut“ Kapelle einst ein ebenso berühmterWallfahrtsort 
war, wie es der Kirchturm seiner wunderbaren Aussicht halber 
zu sein verdiente. An der Kirchhofsmauer fällt uns eine ein 
gemauerte Kanonenkugel auf, die noch ein Erinnerungszeichen 
an die Beschiessung der, von den Franzosen 1813 verteidigten 
Stadt durch die Russen ist. Eine wohl der Sage angehörige 
Stätte aber ist die Wassermühle, in welcher der „falsche“ 
Waldemar als Knappe gearbeitet haben soll. 
Eine ähnliche halb der Mythe, halb der Wirklichkeit an 
gehörende Stellung nimmt ein böhmischer Söldnerführer, Hans 
Kuck, in der Geschichte der Stadt Beelitz während des letzten 
Drittels des 15. Jahrhunderts ein, dessen Schicksal wir hier kurz 
streifen. Hans Kuck soll sich nämlich im Frühlinge 1478 
dem sonst so stillen Städtchen Beelitz in der Zauche genähert 
haben, begleitet von über 200 Reisigen. Nun war gerade 
Jahrmarkt in der Stadt; und darauf baute er seinen Plan, 
das Städtchen zu überrumpeln. Er sandte mehrere Wagen 
voran, welche unter der Fracht seine besten Kriegsknechte 
unentdeckt in die Stadt einführten. In der Nacht bemächtigten
	        
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