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Full text: Zur Uckermark

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ein Zwitter zwischen Stadt und Dorf herumpendelnden Ort 
gar nicht unerwünscht ist. 
Friedrich Wilhelm IV. schätzte Gramzow richtig, als er 
hier durchkam. Der Herr Schulze empfing Se. Majestät in 
höchster Gala. Der König wandte sich mit der kurzen Frage: 
„Ist wohl ein Flecken hier?“ an den Ortsmonarchen und 
fasste ihn dabei leutselig an seinen Kragenüberschlag. Der 
also Gezupfte, dem die Fleckenlosigkeit seines Rockes nicht 
über allem Zweifel erhaben sein und den auch dieser grosse 
Augenblick verwirrt haben mochte, prallte beschämt zurück 
und stotterte verlegen: „Ach, entschuldigen Majestät, ist 
wohl ein Fettflecken!“ Der König hat gewiss gelacht über 
solche Verwechselung der Synonyme. 
Aber eigentlich hatte der Schulze so unrecht nicht. Der 
Ort ist in der That, ein Fettflecken, fett durch die Fruchtbar 
keit und die reichen Erträge seines Bodens. Deshalb jedoch 
den Ortsnamen von slavischen „grzaski“ = morastig ableiten, 
ist boshaft, vielmehr hängt er mit „chram“ = ein der Gottes 
verehrung geweihter Platz, zusammen, was gewiss ein schöner 
Ehrenname ist und ganz besonders mit der Geschichte der 
Vergangenheit Gramzows stimmt. 
Gramzow wird von einer gewaltigen Turmruine überragt, 
die von einer „Klosterberg“ genannten Anhöhe weit in’s Land 
hinausschaut und der gegenüber die ringsherum stehenden 
Häuser höchst winzig erscheinen. Dahin führt jeder Gramzower 
den Fremden als zu der grössten Sehenswürdigkeit des Ortes, 
denn sie ist der letzte Rest von dem einst hier gestandenen 
mächtigen Prämonstratenserkloster. 
Zur Zeit der ersten Askanier hatte der Pommernherzog 
Bogislav I., im Jahre 1178 vom Kloster Grobe Mönche hier 
her kommen lassen, aber sie konnten der schwierigen Boden 
verhältnisse nicht Herr werden und zogen wieder ab. Da 
besetzte Bogislav II. das verlassene Kloster 1216 mit neuen 
Mönchen aus Jeriehow und diese erwiesen sich als zäher, 
obwohl sie mit Mühe und Not jeden Zoll Landes dem Walde 
mit Axt und Karst abringen mussten. Wo Sumpf und Morast
        
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