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Full text: In die Ost-Priegnitz (Public Domain)

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schöne Kirchen erbauten. Denn trotzdem die Kriege und 
Feuersbrünste ganz Wusterhausen mehrfach zerstörten und 
auch über diese einzige noch gebliebene Zeugin wegrasten, ihr 
also sicher vielen und schweren Schaden zufügten, lassen die 
wenigen vorhandenen Spuren darauf schliessen, dass diese 
Kirche einst von grosser Schönheit gewesen sein muss. Und 
nicht nur diese eine Hauptkirche besass das Städtchen, sondern 
noch vier Nebenkapellen, von denen eine, wenn auch in ver 
änderter Form und Benutzungsart, noch existiert, es ist dies 
das Heilige Geist-Hospital am Wildberger Thore. Früher 
ein Beguinenhaus, ähnlich unseren jetzigen Diakonissen-An 
stalten, dient sie heut als Frauenspittel. Viel Interessantes 
zu sehen ist an dem baufälligen Gebäude mit seinem noch 
hinfälligeren Inhalte nicht, das einzige wäre noch das Storchen 
nest auf dem Hausgiebel! Ein Storch auf einem alten Frauen 
heim? Komisch! 
Wusterhausen war im zwölften und anfangs des dreizehn 
ten Jahrhunderts eine Burg der Edlen von Plotho, von deren 
einstmaliger Existenz nur noch der fast ganz bebaute Burg 
wall vor dem Kyritzerthore ein schwaches Zeichen ist. 
Hier kann man mit Recht sagen: 
„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit 
Und neues Leben blüht aus den Ruinen!“ 
Durch das Gut Heinrichfelde gelangen wir in kurzer Zeit 
nach der an der Jägelitz liegenden Kreisstadt für die Ost- 
prignitz, Kyritz. 
Am Markte blickt aus grünender Umgebung das finstere 
Rathauskastell und lässt uns ahnen, dass mit den Kyritzcrn 
„nicht gut Kirschenessen“. Ja, sie haben’s öfter bewiesen 
und Fritz Eichberg hat eine ihrer Fehden in Versen fest 
gehalten, es ist die mit dem Ritter Kurt von Bassewitz, dessen 
Gefangennahme und Totschlag noch jetzt am Montag nach 
Invocavit festlich begangen wird. Allzu gemütlich müssen 
die Bewohner der Jägelitz-Ufer nie gewesen sein, nannten 
sie doch ihr berühmtes Bier sogar „Mord und Totschlag“. Das 
ist doch bezeichnend genug. 
Kadler-Streifzttge durch die Mark Brandenburg, III. 
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