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III.

Full text: Die Denkmäler Berlins / Müller-Bohn, Hermann (Public Domain)

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Vom Stein-Denkmal die Leipzigerstraße nach Osten entlang gehend, 
dem Spittelmarkt zu, gelangen wir am Nordostende desselben zu der in 
den Jahren 1894 und 1895 erneuerten „Gertraudtenbrücke". Auf derselben: 
Das Ltandöild der heiligen Gertrud, 
modelliert von Professor Siemering. In der heiligen Gertrud, der 
Schutzpatronin der Reisenden und fahrenden Schüler wurde im Mittel- 
alter die Tochter Pipins von Landen verehrt, die im siebenten Jahr 
hundert Äbtissin des fränkischen Klosters Nivelle war. Sie wurde in 
folge ihrer Barmherzigkeit, mit der sie den Armen und Unterdrückten, 
den Kranken und Schwachen beistand, nach ihrem Tode heilig gesprochen. 
Ihre Verehrung verbreitete sich bald von Frankreich über Belgien 
nach Deutschland, wo sie vorwiegend die Schutzpatronin von Kranken 
häusern und Spitälern wurde (Berliner Gertraudten-Hospital). Auch 
das leichte Volk der Wanderburschen und fahrenden Schüler erwählte 
sie zu seiner Schutzheiligen. In Siemerings Standbild erscheint sie in 
der Tracht einer Klosterfrau ihres Zeitalters, ein Kopftuch um Haupt 
und Schultern, am Gürtel den Bund mit den riesigen Schlüsseln. In 
der Linken die Spindel haltend, die ihre geschickte Hand so fleißig zum 
Wohle der Armen gehandhabt, blickt sie freundlich lächelnd zu einem 
fahrenden Schüler nieder, ihm in dem großen Zinnkruge einen Labe 
trunk, den „Willekum" reichend. Der wandernde Gesell mit der ab 
getragenen Lederjacke und den schadhaften Hosen ist ein prächtiger Typus 
jener leichtlebigen und sorglosen Vaganten vormittelalterlicher Zeit. 
Zwischen seinen Beinen und dem derben Knotenstock, auf den sich seine 
Rechte stützt, strebt die heftig sich geberdende, lebhaft schnatternde Gans 
hindurch, nach deren Ursprung wir den losen Gesellen lieber nicht fragen 
wollen. Die lustig am Fries des Standbildes herumjagenden Mäuse 
gehören zu den stehenden Attributen der heiligen Gertrud, die durch ihre 
inbrünstigen Gebete den armen Landleuten die schädlichen Feldmäuse zu 
verjagen pflegte. Die sinnige, etwa 3 m hohe Gruppe ist in Lauch- 
Hammer in Bronce gegossen. 
Die Gertrandtenstraße bis zu Ende verfolgend, gelangen wir zum 
„Köllnischen Fischmarkt" und nach wenigen Minuten zum „Mühlen 
damm", der uralten Verbindung zwischen Alt-Kölln und Alt-Berlin. 
Hier an der neu gebauten Fischerbrücke die Denkmäler der beiden be 
deutendsten brandenburgischen Markgrafen aus dem Hause der Askanier:
	        
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