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I. Die Reformation in der Mark Brandenburg und namentlich in Spandau

Full text: Das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau / Gross, ...

Ueber die Thätigkeit der Visitatoren in Spandau möchte 
ich noch die folgenden Thatsachen anführen. Die Visitation 
fand statt am Freitag nach dem Tage Marti Evangelistae, 
d. h. Ende April 1541. Die oben genannten Herren Wein 
löben, Stratner und Buchholzer waren die kurfürstlichen Visita 
toren. Als erster Inspektor (Superintentent) über die Diöcese 
Spandau, die damals mindestens drei Mal so groß war wie heute 
(erst ein MachtspruchFriedrich Wilhelms I. hat ihr 1730die jetzige 
etwas wunderliche Gestalt gegeben), wurde Johann Cordus ans 
Magdeburg eingesetztund als dieser 1543nach Tangermünde ver 
setzt wurde, tratJohannGarcäus(Garz), ein Spandauer Kind, an 
seine Stelle. Dieser war seit 1529 als Lehrer und Prediger in 
Hamburg thätig gewesen. Das Patronatsrecht über die 
St. Nikolaikirche, das bisher im Besitze des Benediktinerinnen- 
Ronnenklosters von St. Marien gewesen war, übertrugen die 
Visitatoren dem Magistrat der Stadt, der dasselbe bis auf 
den heutigen Tag ausübt. Ueber die ökonomische Lage der St. 
Nikolaikirche zu dieser Zeit berichtet Dilschmanns Chronik (p. 24): 
„Im Jahre 1540 sahen die Vorsteher dieser Kirche, da sie 
sehr arm war, und oft nur einige Schock Groschen in Baar- 
schast hatte (demohnerachtet verlohr die Kirche doch in dem 
Jahre eine (Blocke von 66 Centnern, die sie ohnentgeldlich 
auf kurfürstlichen Befehl an den Dom zu Berlin abliefern 
mußte), sich genöthigt, einige überflüssige Stücke, die in der 
Kirche waren, zu verkaufen. Ein vorzunehmender starker 
Bau an dein obersten Theile des Thurmes und in der Kirche 
machte dieses noch nothwendiger. In der Kirchenrechnung 
von diesem Jahre heißt es: „Der Kirchenvorsteher Joachim 
Cramer verkaufete das Bild Anna mit dem Rocks. (Rauchfaß), 
das hat gewogen 19 Marck und 8 Loth Silber, die Marck zu 
9 Gulden." Ein Nikolausbild, das 15 Marck 10 Silber 
wog, hatte der Churfürst schon 1538 vonr Rath empfangen, 
dafür derselbe von ihm 140 Gulden 20 Gr. erhielt. An 
andern: silbergeräthe fand sich 78 Marck 12 Loth am Gewicht. 
Dies alles reichte nicht zu, die Einkünfte der Kirche ansehnlich 
zu vergrößern, um sie in baulichem Stande zu erhalten und 
ihre andern Ausgaben zu bestreiten. Diesem Mangel wurde 
in etwas algeholfen bey der ersten Kirchenvisitation. Nach 
Inhalt derselben wurden nicht nur die geistlichen Lehne und 
Commenden der verschiedenen Altäre in dieser Kirche (sie 
hatte deren ein ganzes Dutzend!), sondern auch die Lehne von
        
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