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I. Die Reformation in der Mark Brandenburg und namentlich in Spandau

Full text: Das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau / Gross, ...

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kurfürstl. Gnaden haben auch alle Winkelnressen rrnd andere 
Gräuel und Mißbräuche in den Kirchen abgeschafft, eine neue 
christliche Ordnung mit Rath des Philipp Melanchthon gestellt, 
fast Ew. Gnaden Bruders Markgraf Georgs und derer von 
Nürnberg in Allein gemäß. Dieselbe ist jetzt zu Allerheiligen 
in der Kirche allhier angehoben, und sie haben das hochwürdige 
Sakrament eigener Person rnit dem Volke unter beider Gestalt 
empfangen rrnd das also in ihrerr Landen zu halten befohlerr. 
Aber S. kurf. Gn. haben noch viel große Anfechtung 
gehabt: erstlich sind viel Gottlose gewesen, die S. kurf. Gn. 
anher mit manchfaltigen listigen Praktiken aufgehalten. Zum 
andern hat die königl. Durchlaucht zu Polen (d. i. König 
Sigismund, des Kurfürsten Schwiegervater) ein ganz hart 
Schreiben an S. kurf. Gnaden gethan und sich unterstanden, 
dieselbe von ihrem Vornehmen abzuschrecken. Es ist aber 
ihrer königl. Durchlaucht eine gute Antivort darauf gefallen. 
Zum dritten hat sich meine gnädige Frau (d. i. die Kurfürstin 
Hedwig) über alle Maaßen dieser Sachen ganz hart ange 
nommen, sich ganz übel Tag und Nacht mit viel Weigern, 
Nichtessen und dergleichen Bekümmernis gehalten. Aber doch 
so nun das Werk angefangen (das soll doch ohne Zweifel 
heißen: ohne ihre aktive Beteiligung!), haben Ihre kurfürstl. 
Gnaden sich zufrieden gegeben. Wir besorgen alle, ihr 
Kaplan treibt der Sachen viel (das ist also einer von 
den „Pfaffen", von denen Melanchthon spricht, höchst wahr 
scheinlich ein Pole). Zum vierten ist auch bei der römischen 
königl. Majestät (d. i. der spätere Kaiser Ferdinand I., 
Karls V. Bruder) angestiftet worden, daß dieselbe S. kurf. Gn. 
davon abhalten sollten, welches Schreiben erst gestern am Abend 
allhier angekommen. Aber wie dem Allen, der Herr hat mehr 
vermocht denn der Satan, und ungeachtet aller solchen harten 
Anfechtungen sind doch S. kurf. Gn. auf solchem löblichen 
und christlichen Vornehmen beharrt". 
4. Die Kiechettvisttatio» 
von 1541 und die Einführung der Zoachiinschen Kirchenordimng, 
besonders in Spandau. 
Die Kirchenordnung Joachims II. war, wie oben an 
gegeben, im Jahre 1540 in Berlin gedruckt worden. Aber 
es war nicht genug mit ihrer Veröffentlichung, sie mußte
        
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