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I. Die Reformation in der Mark Brandenburg und namentlich in Spandau

Full text: Das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau / Gross, ...

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allein soll man seine Rechtfertigung suchen und seine Dank 
barkeit für die göttlichen Wohlthaten durch ehrbaren Lebens 
wandel beweisen. Dazu gehört auch, daß man gern faste 
und bete; doch soll man auf äußere Werke sein Vertrauen 
nicht setzen. — Im zweiten Teil der Kirchenordnung wird der 
lutherische Katechismus in zahlreichen Predigten ausgelegt. — 
Im dritten werden die beim Gottesdienst und namentlich bei 
den Sakramenten anzuwendenden Ceremonien angegeben. Be 
sonders bemerkenswert sind die folgenden. Bei der Taufe 
erfolgt der Exorcismus „vor den Kirchthüren" mit Kreuz 
an Stirn und Brust; L-alz wird dem Täufling in den Mund 
gegeben, wieder ein Kreuz „mit ausgestrecktem Arm" über 
das Kind geschlagen, alles unter langen Gebeten. Hieraus 
wird die „Stola" auf das Kind gelegt und dasselbe in die 
Kirche getragen. Hier entsagt es durch die Paten dem Teufel. 
Dann „ungirt" der Priester das Kind an der Brust und 
zwischen den Schultern. Nachdem es sodann getauft worden 
ist, wird es „mit dem Chresem (Salböl) aufs der Scheitel 
(Scheitel) creutzweis ungirt". Endlich erhält das Kind wie 
die Paten „ein brennend kertzen" in die Hand, worauf das 
Schlußgebet folgt. Das Zeichen des Kreuzes wird bei der 
ganzen Taufhandlnng sehr häufig gemacht, wie die Kirchen 
ordnung andeutet. 
Die Konfirmation oder Firmelung geschieht durch den 
Bischof. „Weil aber (Gott hab lob)", sagt die Kirchenordnung, 
„des volcks in unsern Landen viel, und der Bischoffe wenig, 
das es jnen, einen jeden selbs zu verhören, und zu unter 
richten zu viel werden wolt, Mögen sie solchs den Pfarherrn 
zu thun befelhen". Doch soll immer ein „Gelehrter" von 
Seiten des Bischofs bei der Konfirmation zugegen sein. 
Bei der Beichte wird es für einen Mißbrauch erklärt, 
„das auff einen Hauffen etliche Personen zugleich eine gemeine 
(d. h. gemeinsame) beicht thun". Es soll daher „ein jeder 
in sonderheit notturfftig gehört und Absolvirt werden". 
In Bezug auf das Abendmahl wird besonders hervor 
gehoben: „Die andern zusetz, eusserlicher leiblicher Ding, Als 
Meßgewand, Altardeck, Silbern und Gülden gefeß, liechter rc. 
sein aller Ding frey, geben und nemen dem glauben und 
gewissen nichts. Darumb (man beachte die geradezu ver 
blüffende Logik!) sol man sie behalten und brauchen. Sonder 
lich die Kleider", weil die Diener der Kirche „nicht allerweg
        
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