Path:
I. Die Reformation in der Mark Brandenburg und namentlich in Spandau

Full text: Das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau / Gross, ...

11 
ßr@ß«Berlin 
und empfing und sie ihm dieselbe „an eines rechten geschworenen 
(Lides statt" gaben, so mochte er hoffen, daß das eigene In 
teresse namentlich den energischen Hans bei dein alten Glauben 
erhalten würde. 
So sind die Menschen. Während Joachim durch sein 
Testament die weise Anordnung seines Großvaters umstieß, 
gedachte er seine Söhne und Unterthanen gegen ihre bessere 
ihm nicht ganz unbekannte Ueberzeugung bei den veralteten 
Formen einer Kirche festzuhalten, die namentlich dem ernsten 
norddeutschen Volkscharakter in jeder Weise zuwider sind. In 
solchen Dingen gilt nun einmal das Wort des Dichters: „Ter 
Lebende hat recht." 
Joachim I. starb, wenig über 50 Jahre alt, im Juli 
1535. Sein Bestreben, dem Rade der Zeit in die Speichen 
zu fallen, war vergeblich, und das mochte er selbst wohl fühlen. 
Wenigstens sah er den evangelischen Regungen im Lande 
gegenüber immer wieder durch die Finger, so daß von einem 
etwas dunkeln, später zu erwähnenden Falle abgesehen, wir 
in der Mark keine Märtyrer des evangelischen Glaubens zu 
beklagen haben. Auch suchte er keine Scheidung von seiner 
die Rückkehr nach der Heimat so hartnäckig weigernden Ge 
mahlin, gestattete sogar seinen Kindern wenigstens dann und 
wann die Mutter zu besuchen. Sie folgten später alle ohne 
Ausnahme dieser treuen Bekennerin nach in die evangelische 
Kirche. — 
2. Joachim II. 
Als Joachim II. und sein Bruder Hans 1535 die Re 
gierung antraten, waren beide in ihrem Herzen schon längst 
der evangelischen Lehre geneigt. Joachim hatte schon 1519 
bei einer Durchreise durch Wittenberg Luther über die Recht 
fertigung durch den Glauben predigen hören, und besonders diese 
Lehre machte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn. Auch 
auf dein Reichstage zu Worms 1521 war Joachim zugegen 
und hörte Luthers mannhaftes Bekenntnis. Die Schriften 
Luthers las er trotz des Verbotes seines Vaters init großem 
Fleiß. Dazu kamen die Worte und das Beispiel der Mutter, 
die lieber unter Entbehrungen in der Fremde leben als der 
reinen Lehre entsagen wollte. Durch ihre Bermittelung bildete 
sich auch ein persönliches inniges Verhältnis zwischen Joachim
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.