Path:
Die Einweihung der Gedächtniskirche Kaiser Wilhelms des Großen. 1870. 1. September 1895

Full text: Zur Einweihung der Kaiser Wilhelm-Gedächtnisskirche am 25jährigen Sedantage

43 
muthete, neben der liebevollsten Rücksicht gegen den geringsten 
seiner Diener; von jener Dankbarkeit, die des kleinsten 
Dienstes nicht vergaß, bei einer Großmuth, die den Namen 
derer nicht wissen mochte, die sich gegen ihn vergangen 
hatten; von seiner Bekenntnißtreue, verbunden mit hoch 
herzigster Duldung; von dem Vollbewußtsein seines könig 
lichen Berufes, im Verein mit rührender persönlicher Be 
scheidenheit; das Alles wird umrahmt und verklärt von dem 
Einen: „Unser Vater hosste auf Gott, und da er hoffte, 
half er ihm aus." 
Es gruben die alten Gothen ein sinniges Königsgrab, 
als sie ihren Fürsten betteten unter dem tiefen Strom. 
Auch über den edlen Leib des in der Liebe Gottes ruhen 
den Kaisers geht ein tiefer Strom. Das ist eines griff, i 
Volkes heilige Liebe. Sein Rauschen klingt wie e 
gebet und wie ein Treugelübde, und es geht ar, 
„Unser Vater hoffte auf Gott, und da e 
ihm aus." 
Er hat drei Menschenalter hindurch d: 
Ewigkeit vernommen. Zwischen dem Julilug: 
er von der heißgeliebten Mutter Abschied nahm, un bell 
Julitage 1870, da er in ihrer Gruft sich rüstete zu 
gewaltiger Entscheidung; zwischen dem Bekenntniß des 
Jünglings am Tage der Einsegnung und dem Simeons- 
bekenntniß des Sterbenden; zwischen der Stunde, da des 
jungen Helden Brust das Eiserne Kreuz schmückte, und der 
andern, da man auf die Brust des Vollendeten das Kreuz 
dessen legte, der ihm mit seinem Namen geholfen hatte: 
welch' eine Fülle von-Glaubenshoffnung und Gnadenhülfe! 
Er ist in Leidenstiefen geführt worden wie Wenige; 
und hat Höhen des Segens erstiegen wie kaum ein Anderer. 
Er hat es mit angesehen, wie Luisens Herz blutete an den 
Dornen der Rose, die ihr der fremde Eroberer bot; er hat 
aber auch das gesehen, wie aus den Thränen der Königin 
und dem Blute der Helden neben den Lorbeeren der Frei 
heitskriege der Rosenflor eines neuen Glaubenslebens
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.