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I. Teil. Geschichte des Denkmals 2. Abschnitt. Der Kostümstreit und die Denkmalsbewegung bis zur zweiten großen Konkurrenz

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

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Geschichte des Denkmals. 
von edlem Ernst in dem königlichen Haupte hat seitdem kein anderer 
Bildhauer erreicht oder gar übertroffen. Schadow hat seine Statue 
bis ins Kleinste naturgetreu gemacht und den König in Generals 
uniform mit dem großen Hut, dem Zopfe und dem Band und 
Stern des schwarzen Adlerordens dargestellt. Doch läßt er außer 
dem noch den Hermelinmantel prachtvoll von den Schultern herab 
wallen, was der ganzen Gestalt eine wunderbare Fülle und Hoheit 
giebt, ohne für den unbefangenen Beschauer der historischen Wahr 
heit Abbruch zu thun. Das Haupt ist nach links gewandt, die 
Linke kraftvoll in die Seite gestützt. Mit dieser Statue hat 
Schadoiv der Plastik neue Bahnen gewiesen, doch nicht ohne dabei 
der älteren, allegoriesierenden Richtung noch kleine Konzessionen zu 
machen. So läßt er den König mit der Rechten den Kommando 
stab aus die beiden ihm zu Füßen liegenden Gesetzbücher stützen, 
aus denen „Oorpns Juris Fridericianum“ und „Artes pacis et 
belli“ zu lesen ist. Dies soll bedeuten, daß er auch seine Befehle 
stets ans die Gesetze gestützt habe, eine Idee, die uns auch bei 
einem seiner Entwürfe aus dem Jahre 1797 noch begegnen wird. 
Ganz mit Unrecht zählt Schadow die Statue nicht zu seinen ge 
lungenen; er hielt sie in den Falten und in einzelnen Details für 
mißglückt. Besonders schwer war ihm die Drappicrung des 
Hermelinmantels gefallen, zu dem er sich in seinem damals schon 
stark ausgeprägten realistischen Empfinden überhaupt nur ungern 
entschlossen hatte. Obwohl er einsah, daß das Ganze ohne Mantel 
ein dürftiges Aussehen bekommen hätte, fühlte er doch andererseits, 
daß Königsmantel und Uniform unverträglich seien. Während 
dieser künstlerische Konflikt ihm selber die Freude an seinem herrlichen 
Werke störte, ist für unser künstlerisches Empfinden trotz alledem 
sein Friedrich ein vollendetes Meisterwerk, wodurch dessen Gestalt, 
wie Lübke sagt, „für alle Zeiten plastisch festgestellt wurde." U 
’) Das geschmackloser Weise vergoldete Gipsmodell befindet sich im Besitze 
des deutschen Kaisers; es war 1886 auf der Berliner Jubiläumsausstellung zu 
sehen. Auch die Akademie der Künste in Berlin besitzt ein 3'/- Fuß hohes Gipsmodell. 
Ein Marmorstudienkops hierzu ist Eigentum der Frau Professor Gropius zu Berlin.
        
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