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I. Teil. Geschichte des Denkmals 2. Abschnitt. Der Kostümstreit und die Denkmalsbewegung bis zur zweiten großen Konkurrenz

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

Der Kostümstreit und die Denkmalsbewegung re. 
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rend er bei den Statuen Schwerins (1769) und Winterfeldts (1777) 
noch das römische Kostüm genehmigt hatte, befahl er bei den Denk 
mälern für Seydlitz (1781) und Keith (1786) ganz entgegen dem 
herrschenden Geschmacke seinem Hofbildhauer Tassaert, die Gene 
räle in der Uniform ihrer Regimenter darzustellen. Dagegen hatte 
Friedrich eine ausgesprochene Abneigung, selber einem Bildhauer- 
oder Maler eine Sitzung zu gewähren. Es ist hier der Ort, 
einiges darüber mitzuteilen. 
Der einzige Bildhauer, der das Glück hatte, ihn nach dem 
Leben modellieren zu dürfen, war Bartolomeo Cavaceppi aus Rom, 
der Freuird Winckelmanns?) Als er nämlich i. I. 1768 nach 
Berlin gekommen war und Friedrich um eine Sitzung bat, ließ 
dieser ihm durch Quinttis Jcilins sagen, er könne seinetwegen keine 
Ausnahme machen, wolle ihm aber Gelegenheit geben, ihn zzu 
beobachten, so daß er doch seinen Zweck erreichen könne. Als nun 
Cavaceppi in Audienz empfangen wurde, unterhielt sich der König 
über eine Stunde sehr lelchast mit ihm und drehte dabei den Kopf 
in verschiedene Richtungen und Stellungen, so daß der Künstler 
bequem seine Studien machen konnte?) 
Die einzigen Maler, ivelchen er zuweilen saß, waren Knobels 
dorfs und der von dem Könige schwärmerisch verehrte Pesne, den 
er „den Göttern gleich" und dessen Kunst er „über die Natur" 
stellte?) Aber auch diesen beiden saß er in späteren Jahren nicht 
mehr. Da ihm alle Schmeicheleien in der Seele verhaßt waren, 
bekam er eine immer stärkere Abneigung gegen die Porträtmaler, 
die, wie er einmal sagte, ärger schmeichelten als die geriebensten 
') Mitgeteilt in Johann Bernoulli, Sammlung kurzer Reisebeschreibungen 
1781. 8°. S. 86 f. 
a ) Das Modell Caoaceppis wurde so ähnlich, daß er den Befehl erhielt, nach 
seiner Rückkehr das Brustbild in Marmor auszuführen. Er erzählt selbst, nach 
allgemeinem Urteil sei seine Büste die erste gewesen, die dem Könige ähnlich sah. 
(Preuß, Friedrich der Große. Urknndenbuch. Berlin 1832—34. 8°. Bd. III. 
S. 320.) 
3 ) Ferdinand Meyer, Daniel Chodowiecki. Berlin 1887. 8". S. 1.
        
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