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I. Teil. Geschichte des Denkmals 2. Abschnitt. Der Kostümstreit und die Denkmalsbewegung bis zur zweiten großen Konkurrenz

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

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Geschichte des Denkmals. 
Friedn II. hatt es biß an sein Ende beybehalten, aber den Sol 
daten etwas bekwemer gemacht, sein Nachfolger hat wenig daran 
geändert; und lvarum sollte dieser König, der seinem 8eeulum so 
viel Ehre machte, sich nach der Mode der Römer richten, die gegen 
ihn gestellt so elende Kerle waren." 
Der Kanzler der Universität Halle von Hoffmann ist für 
die römische Tracht, da Friedrich in preußischer Soldatenuniform 
vielleicht schon in 50 Jahren dem Volke so fremd und noch fremder 
sein werde wie die römischen Statuen. 
Desgleichen der Rektor Frisch. Die moderne Tracht ent 
halte eine geschmacklose Mannigfaltigkeit voir unangenehmen Linien 
und kleinen, scharfen und stumpfen Winkeln, die das Auge unab 
lässig beschäftigen, ferner eine Menge unnützer Knöpfe mrd Knopf 
löcher, und einen Zuschnitt, der alle ungezwungenen Beivegungen 
hemme. 
Schadow sandte aus dem Norden ein Gutachten. Er hatte 
mit allen Künstlern, die er auf seiner Reise kennen lernte, wegen 
Friedrichs Kostüm Rücksprache genommen. Für die römische Tunika 
4 la Marc Aurel waren nur wenige von ihnen eingenommen, z. B. 
Desprez und Morillier in Stockholm. Velten und Koslowsky 
in Petersburg, ferner Sergell, Lafrenz u. a. meinten hingegen, 
man könne sich unter dem Gewände Marc Aurels Friedrich II. 
ebensowenig denken, als wenn man etwa den originellen Karl XII. 
dmnit bekleiden wollte. Abildgaard und Harsdorf in Kopenhagen 
sprachen sich überhaupt gegen eine Reiterstatue ans; während Scha 
dow entschieden daran festhielt. Ani Postament sollten Friedrichs 
Thaten verewigt werden; denn dieses sei die Lobrede auf den Helden 
und mache ein Denkmal erst zum Monument. Was das Kostüm 
anlangt, war Schadow nunmehr zur Überzeugung gekommen, daß 
man Friedrich nur in seiner historischen Tracht darstellen könne. 
Er hatte in seiner Jugend oft den König inmitten einer glänzenden 
Suite gesehen, und gerade seine schlichte Erscheinung in dieser Uin- 
gebung hatte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht. 
So und nicht anders mußte er auch auf seinem Denkmale stehen!
        
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