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I. Teil. Geschichte des Denkmals 1. Abschnitt. Zu Lebzeiten Friedrichs des Großen und in den ersten Jahren nach seinem Tode

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

Zu SeBjeiteg Friedrichs des Großen rc. 
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von vier geflügelten Sphinxen getragen. Vorn sitzt mit dem 
langen Speer in der Linken Minerva, auf ihren Medusenschild ge 
stützt, hinten Herkules mit der Keule. Die außen an dem Platze 
auf zwölf kleinen Postamenten sich erhebenden Figuren sind leider 
meist zerstört. An den Ecken sah man vier Generäle stehend, 
zwischen diesen an den Langseiten zwei Minister und zwei Gelehrte 
sitzend; die vier Postamente an den Schmalseiten trugen Adler und 
Gruppen von Trophäen. Also schon hier tritt der Grundgedanke 
zu Tage, der ein halbes Jahrhundert später über all die zahllosen 
andern Vorschläge und Entivürfe den Sieg davon trug, nämlich 
der, den König nicht allein, sondern umgeben von seinen Zeitge 
nossen darzustellen. Allerdings umstehen sie nicht unmittelbar das 
Postament, sondern erheben sich ans besonderen Fußgestellen, nach 
Art von Rietschels Lutherdenkmal in Worms, an das der Trippel- 
sche Entwurf überhaupt ein wenig erinnert. Das große Postament 
des Königs schmücken vier Reliefs. Auf dein ersten erscheint er 
als römischer Triumphator. Das zweite zeigt ihn als Mehrer 
seines Reichs; huldigend nahen ihm die neuerrungenen Provinzen, 
vor allen das schöne Schlesien. Auf dem dritten Relief erteilt er 
seinen Völkern neue Gesetze und beschirmt ans dem vierten Wissen 
schaft und Künste. 
Die beiden anderen Entwürfe rührten von Schadoiv her, der 
damals am Beginne seiner Blüte stand. Leidenschaftliche Sehn 
sucht hatten ihn nach dem Lande der Schönheit, nach der ewigen 
Roma getrieben, wohin es ja von jeher den deutschen Künstler 
mächtig zog. Bisher wgr nur der trockene und manierierte Tassaert 
sein Lehrer gewesen, jetzt endlich konnte sein Genius unter den 
mächtigen Eindrücken der Antike frei die Schwingen entfalten. Kurz 
ehe die Nachricht von dem Tode des großen Königs nach Rom 
kam, hatte er dort einen Triumph errungen, der den Namen des 
unbekannten deutschen Künstlers mit einem Schlag in aller Mund 
brachte. Die Accademia di 8. Luca hatte nämlich zum Wettstreit 
um die stets heiß umrungene goldcue Medaille aufgefordert, die 
einst der Marchese di Balestra für das schönste plastische Werk ge-
        
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