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II. Teil. Beschreibung des Denkmals 3. Abschnitt. Die übrigen Zeitgenossen am Postamente

Full text: Das Denkmal König Friedrichs des Grossen in Berlin / Merckle, Kurt

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Beschreibung des Denkmals. 
Schlabrendorff, Carmer, Graun, Lessing und Kant. In der Mitte 
sitzt auf einem Sessel der Großkanzler Graf von Carmer?) 
Er hält sein Hauptwerk, das allgemeine preußische Landrecht, in 
Händen. Es ist dies jenes großartige Werk, an dessen Spitze 
Friedrich die von seinem Nachfolger wieder gestrichenen Worte 
setzte: „Machtsprüche oder solche Verfügungen der oberen Gewalt, 
welche in streitigen Fällen ohne rechtliche Erkenntnis erteilt worden 
sind, können iveder Rechte noch Verbindlichkeiten bewirken." Ohne 
den Verdiensten Carmers Abbruch thun zu wollen, muß gesagt 
werden, daß Suarez, der den Hauptanteil an der großen Justiz 
reform in Preußen hatte und wegen seiner meisterhaften Redaktion 
des Allgemeinen Landrechts geradezu „der juristische Luther" ge 
nannt wird, ein weit größeres Anrecht auf plastische Verherrlichung 
gehabt hätte, ivie Graf Carmer; er hatte nur wahrscheinlich keine 
so mächtigen Fürsprecher bei der Denkmalskommission wie dieser. 
Carmer hat wohl die Idee gehabt, Suarez aber durch unerhörten 
Fleiß, edle Gesinnung und klassische Sprache die Ausführung des 
gewaltigen Werkes ermöglicht. 
Hinter Carmer steht, das edle Haupt träumerisch in die Höhe 
gerichtet, ©raun, 8 ) der Konzertmeister des großen Königs. In 
der Hand hält er die Noteurolle zu seinem berühmtesten Werke, 
dem von Ramler gedichteten „Tod Jesu". 
Rechts von Carmer steht von SchlabreudorffF) der 
bekommen haben und unter den Schwanz des Pferdes gestellt wurden. Man hat 
gesagt, es sei überhaupt charakteristisch für die Art, lvie man in Berlin Denkmäler 
errichte, daß die Militärs hier die drei besten Seiten für sich hätten. — Es geht 
jedoch aus den Denkmalsakten an keiner Stelle hervor, daß Rauch „auf höheren 
Wunsch" diese Anordnung getroffen hat, dieselbe erscheint vielmehr sowohl künst 
lerisch wie historisch durchaus gerechtfertigt. 
*) Nach einer Büste und einem Bild aus dem Besitze des Grafen v. Carmer 
auf Ructzen. 
°) Im Konzertsaale des Kgl. Schauspielhauses zu Berlin steht eine von 
Schadow modellierte, kolossale Gipsbüste Grauns. Rauch hat nicht diese, sondern 
einige Stiche aus dem Kgl. Kupferstichkabinett und ein Bild aus dem Besitze der 
Frau von Horn benutzt. 
3 ) Nach einem Porträt im Besitze des Hosmarschalls von Schöning.
        
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